Verblüffende Komödie über einen berühmten Tennis-Showkampf im Jahr 1973.
Tennis mag die "Sprache des Lebens" sprechen, wie Andre Agassi einst sagte, aber im Kino ist es ein bislang eher unterrepräsentierter Sport, was auch daran liegen mag, dass sich die auf dem Platz spontan entfaltende Dramatik schwer überzeugend in ein inszeniertes Medium übertragen lässt. Es sei denn, man findet einen Ansatz, von einem Match zu erzählen, das tatsächlich, noch einmal Agassi, "eine Miniatur des Lebens" ist. Wie "Battle of the Sexes". Dass im Mittelpunkt des neuen Films der "Little Miss Sunshine"-Macher Jonathan Dayton und Valerie Faris, die mit einem wunderbaren Drehbuch von Simon Beaufoy arbeiten, das er ursprünglich für Danny Boyle geschrieben hatte, ein Showkampf steht, mag bezeichnend sein, weil er eben wie das Kino ist, größer als das Leben.
Es geht also um den legendären "Zweikampf der Geschlechter", als der einstige Tennischamp Bobby Riggs, ein geborener Showman, der sich mit regelrechter Wonne als "chauvinistisches Machoschwein" inszenierte, 1973 die seinerzeit beste Tennisspielerin der Welt, Billie Jean King, zum Match herausforderte, um zu beweisen, das auch ein untrainierter, in die Jahre gekommener Mann jede Frau der Welt auf dem Court schlagen kann. Wie das Filmemacher-Ehepaar Faris und Dayton aus dieser Prämisse einen mitreißenden Publikumsfilm machen, das ist die große Kunst. Weil es zwar auch, aber eben nicht nur um Geschlechterkampf geht zu einer Zeit, als Feminismus und Gleichberechtigung zumindest in der breiten Öffentlichkeit ein eher noch milde belächeltes Konzept waren und kaum hinterfragt wurde, dass Männer ungleich besser bezahlt wurden als Frauen. Auf dieser Basis, die eine Geschichte, die vor 44 Jahren spielt, clever im Bewusstsein des Hier und Jetzt verankert, baut sich das liebevolle, immer verständnisvolle Porträt der beiden Protagonisten auf. Zunächst scheint klar, wem die Sympathie des Films gilt: Billie Jean King, gespielt von einer fast nicht wiederzuerkennenden Emma Stone in ihrer ersten Rolle nach ihrem Oscar-Triumph mit "La La Land", ist die Heldin, weil sie es ist, die mit den meisten Hindernissen konfrontiert ist.
Unterstützt von ihrer Managerin, flamboyant und Kette rauchend gespielt von Sarah Silverman, wird sie aufgebaut zur Galionsfigur einer neuen Frauentennistour, die sich von den männlichen Kollegen zu emanzipieren versucht, während sich die verheiratete Spielerin unerwartet in eine andere Frau verliebt und auch noch mit ihrer sexuellen Identität zu hadern hat. Ihr Gegenspieler Riggs, gespielt von dem immer wunderbaren Steve Carell, erscheint im Vergleich zunächst wie eine Karikatur, offenbart auf dem Weg zum Showdown aber eine ganz eigene Tragik, die ihm unerwartete Tiefe verleiht. Alle Knöpfe werden zur richtigen Zeit gedrückt, wie es sich für einen Crowdpleaser gehört, der weiß, dass der Weg in die Köpfe des Publikum nur über das Herz führt. Wenn "Battle of the Sexes" eine Schwäche hat, dann liegt das an seiner überheblichen Haltung. Man befindet sich nie wirklich im Jahr 1973, sondern blickt immer nur darauf, kopfschüttelnd und besserwissend. Dabei wäre das nicht nötig: Man muss nur in die Augen der Figuren sehen, und man weiß alles, was man wissen muss. ts.
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