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★★★★★
☆☆☆☆☆
Eine starke Frau, die ihresgleichen sucht
Johanna M. - Bewertet am 22.10.2018
Zustand: Exzellent
Ich bin ganz verliebt ins Cover und es passt wie die Faust aufs Auge. Ich habe mich dem Schreibstil verloren und zwar auf eine positive Weise. Ich möchte damit sagen, das ich mich immer die Zeit, in der das Buch spielt, versetzt gefühlt habe. Das Buch ist so voller Fakten und Informationen, dass ich… nur meinen Hut vor der Recherchearbeit ziehen kann. Das Buch spielt um den zweiten Weltkrieg herum.
Es geht um eine mutige und starke junge Frau, die sich nicht von ihren Zielen abbringen lässt. Anna hat bei mir einen starken Eindruck hinterlassen.
Das Buch hat mich auch mit seiner Detailgenauigkeit beeindruckt, die Autoin meinte auch zu Beginn des Buch, dass sie diese alten Taucheranzüge anziehen durfte. Da ich selber tauche, kann ich mir ungefähr vorstellen, was es bedeutet haben muss damit zu tauchen.
Für mich war das Buch ein wirkliches gelunger Roman, in dem alles vorhanden war. Eine ganz klare Empfehlung für dieses toll Buch, welches allerdiungs ca 500 Seiten hat, also bitte etwas mehr Zeit einplanen. ^^
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☆☆☆☆☆
Über eine starke Frau
Stephanie p. - Bewertet am 14.09.2018
Zustand: Exzellent
Anna lebt zu Beginn der vierziger Jahre in New York und während alle Männer im Krieg sind, arbeitet Anna gemeinsam mit anderen Frauen in der Werft ab Kriegsschiffen. Doch Anna hat einen großen Traum: Sie möchte Taucherin im New Yorker Hafen werden und dort die Kriegsschiffe reparieren. Leider… scheint dieser Traum sehr unrealistisch, da dies ein Beruf für Männer ist. Anna kümmerst sich aufopfernd um ihre behinderte Schwester und macht sich zudem auf die Suche nach ihrem verschollenen Vater, dessen Spur sich in der kriminellen Unterwelt New Yorks verliert.
Jennifer Egans Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Zu Beginn fand ich das Buch etwas langatmig, was sich allerdings bald änderte. Von da an konnte ich es kaum zur Seite legen und war von der Handlung wirklich mitgerissen. Leider kommt es immer wieder im Laufe der Handlung zu kurzen Längen, welche allerdings nie lange dauern. Das Buch ist meiner Meinung nach anspruchsvoll und lässt sich daher nicht schnell nebenbei lesen, aber „Manhattan Beach“ ist es absolut Wert sich die Zeit zum Lesen zu nehmen.
Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und unglaublich vielschichtig. Alle Protagonisten haben sowohl gute und liebenswürdige als auch schlechte Seiten. Sogar die kriminellen Charaktere aus der New Yorker Unterwelt hatten immer wieder sympathische Züge. Selten, dass ich ein Buch gelesen habe, in welchem die Charaktere so gelungen und glaubwürdig beschrieben waren. Allen voran Anna wuchs mir sofort ans Herz, da sie eine wirklich starke Persönlichkeit ist, die sich durch nichts aus der Bahn werfen lässt und für ihre Träume und Ansichten kämpft.
„Manhattan Beach“ ist anders als von mir erwartet, aber dennoch unglaublich mitreißend und lesenswert. Ich hätte nicht erwartet, dass die Suche nach dem Vater so viel Platz einnimmt, aber gerade diese Suche hat mir besonders gut gefallen. Wer gerne Bücher über starke Frauen lesen möchte, der wird große Freude mit dem Buch haben. Ich werde auch in Zukunft gerne zu Büchern der Autorin greifen.
FAZIT:
„Manhattan Beach“ ist ein fesselnder und berührender Roman über eine unglaublich starke Frau. Ich hatte große Freude mit dem Buch, obwohl es hin und wieder ein paar Längen gab. Daher vergebe ich 4 Sterne!
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☆☆☆☆☆
Allerhand verschenktes Potenzial
Anja Z. - Bewertet am 26.08.2018
Zustand: Exzellent
Im Prinzip sind es drei Geschichten, die Jennifer Egan in ihrem Roman "Manhattan Beach" erzählt: die der jungen Anna, ihres Vaters Eddie und des Gangsterbosses Dexter. Angesiedelt sind diese Handlungsstränge in den 30er und 40er Jahren in New York, vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges. Anna… hat es satt, in der Marinewerft noch länger am Fließband zu stehen; Taucherin möchte sie werden und unter Wasser Schiffe reparieren. Was in dieser Zeit quasi unmöglich ist, Anna will es unbedingt als einzige Frau erreichen, um ihre Mutter und behinderte Schwester zu unterstützen. Die drei Frauen sind auf sich allein gestellt, denn 5 Jahre zuvor ist Annas Vater Eddie verschwunden, nachdem er jahrelang für den Gangsterboss Dexter Styles Botengänge erledigt hat. Anna stellt schließlich Nachforschungen an, um den Aufenthaltsort ihres Vater zu ermitteln und so werden alle drei Schicksale eng miteinander verwebt.
Jennifer Egan kann schreiben, das steht außer Frage. Dennoch fällt es schwer, mit dem Roman und seinen Charakteren warm zu werden. Schon die Einordnung in ein Genre fällt schwer. Für einen Kriegsroman sind die Kriegshandlungen zu oberflächlich abgehandelt, sind nur schmückendes Beiwerk und Motor der eigentlichen Geschichte. Ein Familienroman, das dürfte noch am ehesten passen. Gegenüber stehen sich zwei Familien: Annas, eher ärmlich, durch die Behinderung der Schwester vereint und gespalten zugleich. Und der Familienclan um Dexter Styles, nach außen hin reich und glücklich, im Inneren zerrissen und chaotisch.
Dexter Styles war am Ende tatsächlich auch der Charakter, den ich am meisten nachvollziehen konnte, der für mich am rundesten war. Er ist gefangen in einer Welt, die er selbst gewählt hat. Gleichzeitig sehnt er sich aber auch nach deren Zerstörung und einem Leben, das mehr zu bieten hat, das einen Einfluss hat auf die Zukunft der Gesellschaft. Anna wird zwar in allen Rezensionen und Pressestimmen als DIE starke Frau und Feministin gefeiert, aber leider konnte ich das nach der Lektüre von "Manhattan Beach" nicht bestätigen. Taucherin wird sie am Ende eigentlich nur, weil sie es sich in den Kopf gesetzt hat und ihrem Chef schöne Augen macht. In ihrem sonstigen Wesen und ihren Handlungen kann ich die starke Frauenfigur, die ich mir erhofft hatte, nur in Teilen erkennen. Sicherlich behauptet sie sich in einer schwierigen Zeit, aber das tun die anderen weiblichen Figuren auch, wenn auch auf ihre eigene Weise. Schade, mit Annas Figur wurde definitiv Potenzial verschenkt. Und Eddie? Was bleibt über Eddie zu sagen? Einen Schwächling, der nicht den Mut besitzt, seine behinderte Tochter so zu lieben, wie sie es verdient und der irgendwann einfach von der Bildfläche verschwindet. Nein, ich mochte ihn nicht, auch wenn er im Verlauf des Romans noch an Profil gewinnt.
Sprachlich ist der Roman gut und präzise erzählt, allerdings hat er doch seine Längen. Die Arbeit in der Marinewerft, jeder Schritt beim Anziehen des Taucheranzuges oder ein Familienwochenende bei Dexter Styles. Alles wird in epischer Breite geschildert, ohne die Handlung großartig voranzubringen. Und das ist überhaupt ein Problem des Romans, denn im Grundsatz ist "Manhattan Beach" nur ein Ausschnitt aus einer großen Handlung, die wenigsten Stränge werden am Ende aufgelöst, zu vieles bleibt offen. Wer den Roman als genau dies akzeptieren kann, einen Ausschnitt aus mehreren Menschenleben in Kriegszeiten, der wird vermutlich seine Freude daran haben. Ich hingegen hatte mir einfach mehr von diesem hochgelobten Werk versprochen.
Fazit: Ein sprachlich solider Roman mit Längen und verschenktem Potenzial
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☆☆☆☆☆
Manchmal ist weniger mehr
Anke B. - Bewertet am 20.08.2018
Zustand: Exzellent
New York während des zweiten Weltkriegs. Die junge Anna begleitet ihren Vater auf seinen Botengängen für Gewerkschaftsbosse; dabei trifft sie unter anderem auf den erfolgreichen Gangster Dexter Styles. Der Roman erzählt die Geschichte dieser drei Personen während der Kriegsjahre. Ihre Lebenswege… kreuzen sich immer wieder auf unverhofften Wegen und mit einschneidenden Konsequenzen.
Im Zentrum steht dabei Anna, die sich gemeinsam mit ihrer Mutter um ihre behinderte Schwester Lydia kümmert. Gleichzeitig fängt sie als Arbeiterin in der Werft an, wo aufgrund des Männermangels nun auch Frauen beschäftigt werden. Anna aber möchte noch mehr, nämlich als erste Frau als Taucherin arbeiten.
Anna ist meistens sympathisch, gibt nicht schnell auf und geht zielstrebig ihren Weg, auch wenn dieser steinig ist. Die Autorin schildert das New York dieser Zeit überzeugend als Panorama, in der sich althergebrachte Traditionen verschieben, Gewissheiten auflösen und dadurch – bei aller Grausamkeit und Tragik des Krieges – neue Möglichkeiten der Lebensführung entstehen, alte Grenzen teilweise aufgebrochen werden. Das liest sich meistens recht flüssig und die Erzählstränge zu Anna und ihrem Vater haben mir gut gefallen. Leider wird es aber durch den dritten Strang um den Gangsterboss etwas überladen, zumal ich mich für diesen auch weder erwärmen noch groß interessieren konnte. Dadurch entstehen Längen, die mich wiederum auch von den anderen Protagonisten immer wieder etwas entfremdet haben. Hier wäre meines Erachtens weniger mehr gewesen. Wenn es schon ein dritter Erzählstrang sein soll, dann wäre meine Wahl definitiv auf Annas Mutter gefallen, die für eine Frau ihrer Zeit ein sehr bewegtes und spannendes Leben geführt hat.