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★★★★★
☆☆☆☆☆
Aufgeheizte Stimmung
Kerstin P. - Bewertet am 29.10.2018
Zustand: Exzellent
1968 – Wolf Heller ermittelt in politisch aufgeheizten Zeiten
Inhalt:
West-Berlin, 1968. Studenten demonstrieren lautstark in den Straßen, während die Stasi in aller Stille Spione auf die andere Seite der Mauer schickt. Wolf Heller, Kommissar bei der Mordinspektion M I, interessiert sich… eigentlich nicht für Politik. Doch dann wird eine junge Frau tot im Wannsee gefunden. Heidi Gent arbeitete in der Kanzlei des linken Anwalts Horst Mahler. Heller soll den Fall schnell abschließen, ohne allzu tief zu graben. Denn auf der Polizei lastet noch immer der Schatten des Mordes an Benno Ohnesorg, der Druck aus dem Schöneberger Rathaus ist enorm, und die sensationshungrige Presse lauert auf Fehler. Für Heller wird der Fall zur Zerreißprobe. Sein Chef und auch sein Vater, ein ehemaliger Polizist, wollen ihn mit aller Macht von weiteren Ermittlungen abbringen. Und dann zerren auch noch seine Vermieterin Paula, die ihn heiraten will, und die lässige Amerikanerin Louise aus der Kommune Wielandstraße an dem Einzelgänger. Heller muss sich entscheiden.
Rudi Dutschke, Uschi Obermaier, Willy Brandt, Axel Springer – die Sechzigerjahre sind ihre Bühne. Es steht viel auf dem Spiel. Und Wolf Heller muss sich als junger Kommissar in wilden Zeiten beweisen.
Meine Meinung:
Der Einstieg ins Buch war etwas schwierig, da man bereits direkt am Anfang mit sehr vielen Personen konfrontiert wird. Das hat sich aber schnell gelegt, denn die Figuren werden im weiteren Verlauf alle häufiger erwähnt.
Die Atmosphäre Ende der 60er Jahre wurde super eingefangen. Man fühlt sich sofort in die damalige Zeit zurückversetzt. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch tauchen einige bekannte Namen, Orte und Gebäude in der Geschichte auf.
Heller ist ein junger und sympathischer Kommissar. Er hatte, bzw. hat es nicht immer einfach, versucht aber das Beste daraus zu machen und geht Dingen, die er nicht versteht auf den Grund.
Es gibt natürlich auch weniger sympatische Figuren, wie zum Beispiel Doll. Den hatte ich sofort gefressen und das hat sich aufgrund seiner blöden und unangebrachten Kommentare auch bis zum Ende nicht gelegt.
Die handelnden Personen waren gut und detailliert beschrieben, was sowohl das Aussehen als auch den Charakter betrifft.
Die Story an sich war spannend, gut recherchiert und toll aufgebaut. Gemeinsam mit Heller ermittelt man bis zum Schluss, wo auch dann die wichtigsten Fragen geklärt werden. Das Ende hat mir gut gefallen und hielt auch noch die ein oder andere Überraschung bereit.
Ebenfalls gut gefallen hat mir das Glossar, ganz am Ende. Dort werden die wichtigsten Begriffe anschaulich erklärt.
Der Schreibstil war auch super angenehm und ließ sich flott lesen.
Das Cover gefällt mir, es passt zur damaligen Zeit und zur Geschichte.
Fazit:
Ein spannender, gut durchdachter, super recherchierter Krimi, mit einer toll eingefangenen Atmosphäre der 60er Jahre. Eine klare Leseempfehlung.
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☆☆☆☆☆
Die Tote im Wannsee
Stephanie p. - Bewertet am 20.08.2018
Zustand: Exzellent
Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Kurz nach seiner Festnahme tötet sich der vermeintliche Täter, der Ehemann der Toten. Die gemeinsamen Kinder sind verschwunden und der leitende Ermittler Wolf Heller wird von seinem Chef ausgebremst. Heller ermittelt dennoch weiter und gerät zwischen… Nazi-Seilschaften, Stasi Agenten und in die Studentenunruhen der 68er. Dabei gerät nicht nur er sondern auch viele Menschen, die er liebt in große Lebensgefahr.
Obwohl der Schreibstil von Lutz, Wilhelm und Kellerhoff sehr flüssig und mitreißend ist, hatte ich anfangs Probleme in die Handlung einzusteigen und ihr zu folgen. Dies ist mir erst nach mehreren Seiten gelungen, aber von a an fand ich das Buch sehr fesselnd, da die Autoren schnell Spannung aufbauen und diese durchgehend halten. Lutz, Wilhelm und Kellerhoff schaffen es die Atmosphäre, Gesellschaft und Stimmung der 68er sehr authentisch darzustellen. Als Leser kann man daher gut in die Handlung eintauchen und diese erscheint sehr glaubwürdig. Obwohl mir persönlich einige der Szenen zu vorhersehbar waren, fand ich das Buch sehr spannend und mitreißend.
Die einzelnen Protagonisten sind authentisch und vielschichtig und wirken sehr glaubwürdig auf die damalige Zeit abgestimmt. Als Leser kann man sich schnell ein Bild machen und Sympathie oder Antipathie entwickeln. Leider war mir persönlich der Hauptprotagonist Heller nicht allzu sympathisch. Dennoch konnte ich mit ihm mit fiebern und mit ermitteln. Sowohl die Berliner Schauplätze als auch die politischen Verhältnisse wirken sehr gut recherchiert und man kann sich diese beim Lesen sehr bildlich vorstellen und dadurch komplett in die Handlung eintauchen.
Alle geschichtlichen Fakten wirken ausführlich recherchiert und man hat beim Lesen den Eindruck, dass diese genau so passiert sind. Die Autoren schaffen es die Atmosphäre sehr gelungen darzustellen, was meiner Meinung nach den besonderen Reiz des Buches ausmacht. „Die Tote im Wannsee“ ist mein erstes Buch der Autoren, aber ich werde auch in Zukunft gerne weitere Bücher der Autoren lesen.
FAZIT:
„Die Tote im Wannsee“ ist ein fesselnder und atmosphärischer Kriminalroman. Ich würde das Buch jedem empfehlen, der einen spannenden Kriminalfall gemischt mit geschichtlichen Fakten lesen möchte. Da mir persönlich einige Szenen zu vorhersehbar waren vergebe ich 4 Sterne!
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☆☆☆☆☆
Mordermittlung mit politischer Sprengkraft
Anke B. - Bewertet am 13.08.2018
Zustand: Exzellent
1968 im geteilten Berlin, die Stimmung ist aufgeheizt, die Atmosphäre der Stadt gleicht einem politischen Dampfkessel. Im Osten die DDR, in Westberlin Studenten, deren Positionen und Proteste sich immer mehr radikalisieren, und ehemalige Nazis im Staatsdienst, deren Kriegsverbrechen unter den… Teppich gekehrt werden. Dazwischen das ganz normale Leben...
Als die offensichtlich brutal ermordete Leiche einer Frau aus dem Wannsee auftaucht, gehört der junge Kommissar Wolf Heller zum Ermittlerteam. Heller ist ein sympathischer Zeitgenosse, der bei einer alleinerziehenden Mutter zur Untermiete wohnt, ihren Kindern Radfahren beibringt, und der für eine große Karriere wohl einfach zu ehrlich ist. So kann er den Fall der Toten im Wannsee nicht ruhen lassen, auch wenn alles so aussieht – oder aussehen soll – als handele es sich um eine gewöhnliche Beziehungstat. Heller bohrt auf eigene Faust tiefer und stößt dabei auf einen Sumpf politischer Verschwörungen und Lügen. Parallel dazu gibt es einen weiteren Erzählstrang um Louise Mackenzie, eine junge Studentin, die in einer Kommune lebt und mit der zunehmenden Gewalt ihrer Mitstreiter ringt. Mehrfach kreuzt ihr Weg dabei den von Heller.
Das Buch ist wirklich spannend und gut geschrieben, wenn auch für meinen Geschmack etwas sehr sachlich und schnörkellos. Die Einbettung in den zeitgenössischen Kontext gelingt den Autoren sehr gut, vor allem ist dieser hier nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern integraler Bestandteil der Geschichte. Auch die Darstellung der Perspektive der Studenten ist gelungen. Andererseits sind dieser Erzählstrang und derjenige um Heller meines Erachtens zu lose verknüpft. Auch die Passagen aus Hellers Privatleben hätten mehr Potential gehabt, so blieb die Person mir doch relativ fremd. Das gilt auch für die Frauenfiguren, die sich irgendwie sämtlich leicht irrational verhalten. Positiv zu erwähnen ist diesbezüglich allerdings, dass die Beweggründe der Feministinnen dieser Zeit keineswegs als irrational dargestellt werden, sondern chauvinistische Strukturen und Verhaltensweisen, nicht zuletzt auch der jungen Revoluzzer, beschrieben werden.
Am Ende des Buchs findet sich noch ein Glossar, in welchem Begriffe wie „Stasi“ oder „reaktionär“ erläutert werden – da fühle ich mich als Leserin nicht hinreichend ernstgenommen. Alles in allem aber ein sehr lesenswerter Polit-Krimi!