Er ist im Lauf seiner Karriere schon mit vier Academy Awards ausgezeichnet worden, sie hat - neben ihrem Oscar für "Besser geht's nicht" - allein vier Emmy Awards als Hauptdarstellerin der Comedy-Serie "Verrückt nach Dir" gewonnen. Ideale Vorzeichen also für die erste Kooperation von Woody Allen und Helen Hunt, die sich als Versicherungsangestellte im 31. Kinofilm des New Yorker "Stadtneurotikers" heftigst bekriegen, ehe sie sich schließlich in den Armen liegen.
Ein bisschen sophisticated comedy, eine Prise Charlie-Chan-Mystery, ein wenig Verschlagenheit à la Dr. Fu Man Chu und Einzeiler der Kategorie "Onanie ist Sex mit jemandem, den man wirklich liebt" - fertig ist der alljährliche "Neue Woody Allen". "Im Bann des Jade Skorpions" heißt die aktuelle Produktion, die, in Zusammenarbeit mit der Spielberg-Firma Dreamworks entstanden, wohlige Erinnerungen an Allens Achtziger-Jahre Hits "Hannah und ihre Schwestern" oder "Radio Days" weckt. Wie in letztgenanntem Werk entführt der Filmemacher, hier einmal mehr Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion, seine Zuschauer zurück in die von ihm so geschätzte Jazz-Ära.
Während der Big Apple zu heißen Rhythmen swingt, steht der Versicherungsdetektiv CW Briggs (Allen) schwer unter Beschuss. Grund: seine neue, taffe Vorgesetzte Betty "Fitz" Fitzgerald (Hunt). Die will ihn, obwohl er dank seines Spürsinns eine makellose Bilanz im Aufklären von Versicherungsbetrügereien vorweisen kann, wegen seiner altmodischen Arbeitsmethoden wegrationalisieren. Die Gelegenheit dazu scheint gekommen, als Briggs von der Polizei verdächtigt wird, Drahtzieher eines Juwelraubs zu sein. CW kämpft, um seine Unschuld zu beweisen. Ein im Prinzip hoffnungsloses Unterfangen, ist er doch tatsächlich der Täter. Nur das weiß Briggs nicht - wurde er doch auf einer alkoholseligen Betriebsfeier gemeinsam mit "Fitz" vom verbrecherischen Magier Voltan (sichtlich mit Spaß bei der Sache: David Ogden Stiers) hypnotisiert und fungiert seitdem als dessen williges Werkzeug...
1940 angesiedelt, dem Jahr, in dem Komödien-Klassiker wie "Die Nacht vor der Hochzeit", "Meine liebste Frau" oder "His Girl Friday" in die Kinos kamen, ist auf den ersten Blick klar, was Allen hier im Sinn hatte: eine Hommage an die spritzig-witzigen Geniestreiche von Cukor, Hawks und Co. sowie die Musik jener Zeit. So werden die wunderbar beiläufig inszenierten Einbruchssequenzen mit dem eingängigen New-Orleans-Ragtime "In a Persian Market" kommentiert, während Helen Hunt - ganz in der Tradition von Rosalind Russell und Katharine Hepburn - dem großsprecherischen Allen ordentlich einheizt. Was nicht so ganz funktioniert und etwas unglaubwürdig wirkt, ist die Liebesgeschichte zwischen dem 65-jährigen Kino-Altmeister und seiner 38-jährigen Kollegin, die sich gegen ihre von der Natur bevorzugten Geschlechtsgenossinnen Elizabeth Berkley ("Showgirls") und Charlize Theron (mit Veronica-Lake-Frisur!) behaupten kann.
Im Gegensatz zum affektierten, künstlerisch eher misslungenen "Celebrity - schön, reich, berühmt" (1998) und der wunderbaren Pseudo-Biographie "Sweet and Lowdown" (1999), die hierzulande leider sang- und klanglos unterging, besitzt "Im Bann des Jade Skorpions" wie zuletzt auch "Schmalspurganoven" all jene Tugenden, die den Mann aus Manhattan zu einem Meister seines Faches werden ließen: Zum einen sprüht seine Mystery-Komödie vor Witz und Esprit, zum anderen unterhält sie - nicht zuletzt dank Allens typisch zappeligem Spiel - äußerst gut. Eine optimale Ausgangsbasis also für den Verleih ottfilm, der sich hier erstmals an der Verwertung einer internationalen Produktion versucht. geh.
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