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Beschreibung
Das ZDF befördert Matthias Matschke als autistisches Ermittlergenie auf den Sendeplatz der Krimiklassiker.
Das "Zweite" traut sich was: Im Vergleich zu den gewohnten Sympathieträgern auf dem Seriensendeplatz freitags um 20.15 Uhr zeichnet sich der Kriminalpsychologe Jasper Thalheim neben seiner analytischen Brillanz vor allem durch fehlende Sozialkompetenz aus. Für "Professor T.", die deutsche Adaption einer gleichnamigen belgischen Serie, ist der Wechsel auf den Freitag eine echte Beförderung. Die vier Folgen der ersten Staffel liefen im Februar 2017 noch samstags um 21.45 Uhr, erreichten aber immerhin im Schnitt 4,77 Millionen Zuschauer. Trotzdem ist es durchaus mutig vom ZDF, den Professor in die Fußstapfen legendärer Vorgänger treten zu lassen; der Freitag im ZDF ist dank "Der Kommissar", "Derrick" oder "Der Alte" gemeinsam mit dem "Tatort" der etablierteste Krimiplatz im deutschen Fernsehen. Eine größere Diskrepanz als die zwischen den Vaterfiguren aus den Klassikern und dem von Matthias Matschke maskenhaft starr verkörperten Wissenschaftler ist kaum denkbar. Der Schauspieler verzieht buchstäblich keine Miene. Seine Körpersprache unterstreicht noch die Verkapselung des Kriminalisten in seiner eigenen Welt: Wenn Thalheim nicht in Aktion ist, scheint er in katatonische Starre zu verfallen. Ähnlich sparsam ist die Ausstattung: Die Räumlichkeiten sind geradezu spartanisch eingerichtet. Die meisten Innenaufnahmen haben einen Stich ins bläuliche Schwarz; auf diese Weise scheint die Kühle der Hauptfigur auch die Bilder zu prägen.
Ähnlich wichtig wie die Hauptfigur ist die wichtigste Personalie hinter der Kamera: Thomas Jahn hat zuletzt unter anderem für Sat.1 die Krimikomödie "Einstein" (2015) sowie die erste Staffel der anschließenden Serie gedreht. Auch dort lässt sich die Polizei durch einen hochintelligenten Wissenschaftler unterstützen. Die Gegensätze zwischen den beiden Titelrollen könnten allerdings kaum größer sein. Im Rahmen der ersten Staffel wurde Thalheim, an dessen Weiterentwicklung gegenüber der belgischen Vorlage Matschke maßgeblich beteiligt war, mit Monk verglichen, dem neurotischen Privatdetektiv aus der gleichnamigen US-Serie (2002 bis 2009); aber neben dem scheinbar gefühlskalten Professor wirkt Monk mit seinen Marotten geradezu menschlich. Das vergrößert den Kontrast zu "Einstein" noch: Der autistisch wirkende Thalheim verabscheut es, berührt zu werden, trägt zum Schutz vor Keimen ständig blaue Hygienehandschuhe und macht nicht mehr Worte als nötig; der von Tom Beck hyperaktiv verkörperte Physiker ist dagegen ein Frauenheld. Für Jahn, der seit einigen Jahren gern auch die Bildgestaltung übernimmt und bei der zweiten "Professor T."-Staffel zudem als Autor mitgewirkt hat, war der Kontrast garantiert reizvoll, zumal die Kameraarbeit die unterschiedliche Gemütslage der Hauptfiguren widerspiegelt: Bei "Einstein" war sie ausgesprochen agil, in der ZDF-Serie begnügt sie sich mit der ruhigen Beobachtung des Geschehens, weshalb eine Verfolgungsjagd in der Auftaktfolge fast wie ein Fremdkörper wirkt. Eine weitere Parallele zwischen "Professor T." und "Einstein" sind die Herausforderungen: Wenn die Polizei ein Genie um Hilfe bittet, müssen sich die Fälle deutlich vom handelsüblichen Krimimord unterscheiden; ein Umstand, an dem die zweite (und ohne Jahn entstandene) "Einstein"-Staffel deutlich krankte. Das ist bei der ZDF-Serie zum Glück anders. Die Geschichte der Auftaktfolge "Maskenmord" würde vermutlich auch als Neunzigminüter funktionieren. tpg.
Matthias Matschke (Professor Jasper Thalheim), Julia Bremermann (Kriminaldirektorin Christina Fehrmann), Lucie Heinze (Anneliese Deckert), Andreas Helgi Schmid (Daniel Winter), Paul Faßnacht (Kriminalhauptkommissar Paul Rabe), Jophi Ries (Georg Swoboda), Clelia Sarto (Linda Thierse), Laura Berlin (Maren/Silke Bäumler), Anatole Taubman (Norbert Poll), Axel Stein (Thomas Reuther), Louis Held (Robin Krämer), Annika Schrumpf (Hanna Krämer)
Regie
Thomas Jahn
Produktionsjahr
2018
Produktionsland
Deutschland
-.-
★★★★★
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