Gesellschaftskomödie, die Rassismus und Vorurteile aufs Korn nimmt und die Kunst der Rhetorik feiert.
Yvan Attal, populärer Schauspieler und Regisseur u.a. der mit seiner Frau Charlotte Gainsbourg entstandenen Komödie "Meine Frau, die Schauspielerin" hat für seine fünfte Regiearbeit, eine Gesellschaftskomödie, die auch klassische Underdog/Aufsteigerstory und Buddymovie ist, mit Frankreichs erfahrenen Star Daniel Auteuil, u.a. für "Caché" ausgezeichnet, als großspurigen Prof und Camélia Jordana als seine selbstbewusste Studentin die perfekten Hauptdarsteller gefunden. Jordana, die hier mit frischem, natürlichen Ausdruck gefällt und in der französische Variante von DSDS ihre Karriere begann, wurde zurecht für ihre Rolle mit einem César als bestes Nachwuchstalent gewürdigt. Sie spielt die titelgebende Neïla Salah, die stolz ist, es in die Jura-Fakultät in Paris geschafft zu haben. Doch die junge Frau aus einer Sozialsiedlung in Creteil bekommt gleich an ihrem ersten Tag einen gewaltigen Dämpfer. Ein paar Minuten zu spät in der Vorlesung, wird sie von Professor Pierre Mazard zur Schnecke gemacht, so beleidigend, dass auch die Kommilitonen entrüstet sind. Der Direktor stellt Mazard zur Rede - es ist nicht das erste Mal, dass er ausfällig geworden ist. Mazard soll Neila für den Rhetorikwettbewerb der Universitäten fit machen, wenn er seinen Job behalten will.
Kern des Films sind die mit Elan umgesetzten Lern- und Wettbewerbs-Streitgespräche, zu denen die 38 Kunstgriffe der Rhetorik aus Arthur Schopenhauers "Die Kunst, Recht zu behalten", die gesellschaftliche Bedeutung von "Kleider machen Leute", aber auch herzhaftes Fluchen gehören. Attal betont den Kontrast der gesellschaftlichen Verhältnisse von Prof und Schülerin, erzählt aber auch vom Privatleben seiner Heldin, etwa in einer wunderbaren, ebenso amüsanten wie warmherzigen Szene zwischen Neila, ihrer alleinlebenden Mutter und ihrer Großmutter oder vom ungeschickt-ungehobelten, aber herzensguten Freund von Neila, Mounir, der zu einer Liebeserklärung erst mit rhetorischen Tricks gezwungen werden muss. Der (Lehr-)Film, in dem die Rolle von Prof und Schüler gewechselt wird und auch eine education sentimentale erzählt wird, mag seine Message vielleicht nicht übertrieben subtil verbreiten, sie kommt aber an und offensichtlich von Herzen. "Die brillante Mademoiselle Neila", mit passenden Songs unterlegt und in ansprechender Optik gestaltet, unterhält und feiert die Redekunst, als Kunst und Waffe und noch allgemeiner den menschlichen Wissensdurst. hai.
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