Politsatire über einen US-Präsidentschaftskandidaten, den ein Skandal zu Fall bringt.
Jason Reitman will mit der Politsatire in der Tradition von "Bill McKay - Der Kandidat" an seine alten Erfolge wie "Thank Your For Smoking" oder "Up in the Air" anknüpfen. Mit ihnen war er vor einem Jahrzehnt als neue führende Erzählstimme Hollywoods gefeiert worden, bevor er mit "Labor Day" und "Zeitgeist" kreativ und kommerziell vom Weg abkam. Wenn man also von einem Comeback sprechen will, dann ist es gelungen. Reitmans Kontrolle über den Film ist beeindruckend. Die Bilder sind elegant und haben Fluss, die Schauspieler feuern aus allen Zylindern, allen voran Hugh Jackman, den man fast nicht wiedererkennen kann als Gary Hart, der 1988 der haushohe Favorit war, als er als Kandidat der Demokraten gegen den republikanischen Kandidaten George Bush in der Wahl zum Präsidentenamt antrat, bis ein aufgebauschter Skandal all seine Hoffnungen vernichtete. Das Tempo ist pure Screwball-Comedy, ein verbaler Schlagabtausch, der einen nicht zu Atem kommen lässt. Die Geschichte selbst ist allerdings eine amerikanische Tragödie, sozusagen das Ground Zero für den Politzirkus (Betonung auf "Zirkus"), in dem wir uns heute in der Ära Trump befinden, im dem politische Positionen längst Platz gemacht haben für einen Personenkult und eine absurde Konzentration aufs Private. Der Tod der Demokratie, sagt Reitman, er beginnt 1988, er beginnt mit Gary Hart, dem eine außereheliche Affäre vorgeworfen wird, die ihn als Politiker zu Fall bringen wird. Das menschliche Drama um diesen Mann voller progressiver Überzeugungen packt, rührt an, beschäftigt. Aber gleichzeitig sitzt man auch achselzuckend vor der Leinwand: Was hier als Grenzüberschreitung der Medien und der Öffentlichkeit lamentiert wird, wirkt angesichts sich täglich überschlagender Schlagzeilen über einen von Moral und ethischen Standards unberührten Präsidenten harmlos. Und das ist das eigentlich schockierende an "The Front Runner", der eine tickende Zeitbombe ist, wenn es dann aber "Bumm" machen sollte, macht es nur "Ffffft". So weit wir sind wir also gekommen. ts.