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Beschreibung

Das Mädchen mit der Drachentätowierung ist zurück: In Fede Alvarez' Verfilmung des vierten Lisbeth-Salander-Romans wird Claire Foy mit der Vergangenheit und viel Action konfrontiert. Wieder kommt sie aus dem Land von Eis und Schnee. Aber diesmal ist weniger Mitternachtssonne als beim letzten Mal, als Lisbeth Salander im winterlichen Stockholm als Racheengel am Mast des Patriarchats sägte, in David Finchers werkgetreuem, aber mit knapp 160 Minuten Laufzeit auch etwas überlangem "Verblendung" mit Neuentdeckung Rooney Mara. Dass die beiden folgenden Romane nicht verfilmt wurden und es sieben Jahre dauerte, bis sich die antisoziale Punkheldin wieder auf ihr Motorrad schwingen durfte, hatte mit den enttäuschenden Zahlen der Bestsellerverfilmung zu tun, die in Deutschland gerade einmal 900.000 Besucher anlockte, vor allem aber damit, dass der Film, anders als der zu Grunde liegende Roman von Stieg Larsson, nicht auf allzu viel Gegenliebe stieß. Zu kühl und methodisch, zu grausam und tief in seinem Herzen pervers war das labyrinthinische Whodunnit, zu außerirdisch und fremd wirkte Finchers Lisbeth an der Seite des von Daniel Craig gespielten Enthüllungsjournalisten Mikael Blomkvist. Winter in Stockholm ist es nun zwar auch in dem überfälligen neuen Salander-Film, diesmal inszeniert von Fede Alvarez, Sonys gegenwärtiger Goldjunge, der sich nach den tiefschwarzen Zahlen für seine Schocker "Evil Dead" und "Don't Breathe" für größere Aufgaben empfohlen hatte. Und doch ist einem nicht so bitterkalt zumute wie zuletzt. Die Adaption des vierten Romans der Reihe, nach dem Tod von Larsson nunmehr von Daniel Lagercrantz mit einem Blick auf mehr Plot und Action, aber weniger Atmosphäre und Charakterbeschreibung geschrieben, wirkt eher wie eine Versuchsanordnung, ob es denn möglich ist, einen James-Bond-Film mit einer schwarz gekleideten, gepierceten und wortkargen Hackerin im Zentrum zu drehen. Abgesehen von wechselnden exotischen Locations, Designeranzügen und geschüttelten Martinis ist alles vorhanden, was eine Mission von 007 ausmacht: internationale Intrige, Verfolgungsjagden, ein übermächtiger Gegenspieler, mörderische Handlanger, die ihr blutiges Handwerk ungerührt verrichten, und sogar eine Art Bond-Girl in Gestalt von Mikael Blomkvist, der diesmal deutlich jünger ist, etwas fad gespielt von Björn-Borg-Darsteller Sverrir Gudnason, und nur noch die zweite Geige spielt. Und mittendrin immer Lisbeth Salander, die sich von einem Programmierer auf der Flucht überreden lässt, für ihn die Computer der NSA zu hacken und ein von ihm entwickeltes Programm zu entwenden, mit dem sich alle Nuklearwaffen der Welt kontrollieren lassen. Das bringt die amerikanische Sicherheitsbehörde auf den Plan, die für die Wiederbeschaffung dieser für den Fortbestand der Weltordnung nicht ganz unrelevanten Daten alle Hebel in Bewegung setzt und sage und schreibe einen Bürohengst nach Schweden entsendet, während ein russisches Killerkommando mit Spinnentattoos, angeführt von Claes Bang aus "The Square", weniger zimperlich ans Werk geht, um Lisbeth die Hölle heiß zu machen. Innere Logik ist nicht die Stärke dieses Films, der immer dann den Turbo einlegt, wenn er nichts erklären oder vermitteln muss, sondern sich in süffigen Bildern suhlen oder einfach geile Action inszenieren kann. Vor allem aber ist da noch das Trumpfass, Claire Foy als Lisbeth, die im Jahr 2018 zwar nicht mehr so rätselhaft, fremd und widersprüchlich ist wie einst, als alle Welt die "Millennium"-Trilogie nicht mehr aus der Hand legen konnte, aber dank des "The Crown"-Stars doch als unvermindert faszinierende Schöpfung die Blicke auf sich zieht: Und weil sie im Verlauf eines vertrackten Katz-und-Mausspiels nicht nur an ihre Grenzen geführt, sondern auch noch mit einer verschollen geglaubten Person aus ihrer Kindheit konfrontiert wird, hat die Britin in ihrer bislang größten Rolle auch jede Gelegenheit, ihr Können auszuspielen. Fede Alvarez leistet ihr mit seiner atemlosen Inszenierung Schützenhilfe, aber am Ende ist es Foy, die aus dem funktionalen Szenario hervorsticht, wie die rot leuchtenden Dioden an den Gasmasken der Bösen beim entschlossenen Showdown von "Verschwörung": Weil sie so ungerührt spielt, dass es einen schüttelt. ts.

Hersteller: Sony Music Entertainment Germany, Bülowstr. 80, Berlin, 10783

Warnhinweise und Sicherheitsinformationen

Informationen nach EU Data Act

Technische Daten


Erscheinungsdatum
06.06.2019
Sprache
Deutsch dts HD 5.1 MA/Englisch dts HD 5.1 MA
EAN
4030521753525
Herausgeber
Sony Pictures
Titel in Originalsprache
The Girl in the Spider's Web
Altersfreigabe
16
Bildformat
21:9
Laufzeit
116 m
Datenträger Typ
Blu-ray Disc
Untertitel
Deutsch/Englisch/Türkisch
Darsteller
Claire Foy (Lisbeth Salander), Sverrir Gudnason (Mikael Blomkvist), Sylvia Hoeks (Camilla Salander), LaKeith Stanfield, Stephen Merchant, Christopher Convery, Claes Bang, Synnøve Macody Lund, Cameron Britton, Vicky Krieps, Mikael Persbrandt
Regie
Fede Alvarez
Produktionsjahr
2018
Produktionsland
USA
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