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★★★★★
☆☆☆☆☆
Was am Ende wirklich zählt
Anna O. - Bewertet am 28.03.2020
Zustand: Exzellent
Michka ist alt geworden. Sie verliert die Wörter und ihre Selbständigkeit. Als es nicht mehr anders geht hilft ihr Marie, eine junge Frau, die Michka schon viele Jahre kennt, einen Platz in einem Heim zu bekommen. Außer von Marie bekommt Michka nun nun noch regelmäßig Besuch von dem jungen Logopäden… Jérôme. Auch er schließt die alte Dame schnell in sein Herz. Michka hat noch einen Wunsch: sie möchte sich bei dem Ehepaar bedanken, dass ihr in ihrer Kindheit das Leben gerettet hat. Marie gibt eine Anzeige in der Zeitung auf, doch zunächst scheint es ein hoffnungsloses Unterfangen zu sein, die Beiden zu finden.
Delphine de Vigan erzählt mit leisen Tönen die Geschichte von Michkas Ende. Trotzdem habe ich "Dankbarkeiten" nicht als traurig empfunden. Häufig musste ich ob Michkas verdrehter Wortschöpfungen schmunzeln. Auch wenn der Tod vorkommt, geht es in diesem Buch viel mehr um das Leben, um die Bedeutung von Sprache und Dankbarkeit. Ich habe viele Denkanstöße erhalten.
Ob 160 spärlich bedruckte Seiten den Preis rechtfertigen, muss jeder selbst entscheiden. Mich hat jedenfalls selten ein Buch so berührt. Manchmal braucht es nicht viele Worte, um eine Geschichte zu erzählen.
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☆☆☆☆☆
De Vigans bislang schwächstes Buch
Miriam G. - Bewertet am 18.03.2020
Zustand: Exzellent
Michka verliert jeden Tag: Wörter, aber nicht ihre Erinnerung. Auch in körperlicher Hinsicht macht ihr das Alter zu schaffen – ebenso wie die Einsamkeit, die auch die junge Marie – eine Art Ziehtochter – nicht völlig vertreiben kann. Abwechslung bildet der Besuch des Logopäden Jeromé, der Michka so… gut es geht dabei hilft, dass der Sprachverlust so langsam wie möglich vonstattengeht.
Dankbarkeiten schont den Leser nicht mit schweren Themen: Altern, Demenz, Nationalsozialismus, Verlassenwerden, Misshandlung und Vernachlässigung in der Kindheit – all das bringt Delphine de Vigan auf nur etwa 160 Seiten zum Ausdruck. Insgesamt ist die Stimmung des Romans sehr traurig, selbst die eigentlich erfreulichen Dinge wie Schwangerschaft bekommen einen düsteren Unterton.
Gut hat mir bei dem Roman die feine, klare Sprache gefallen. Mit nur wenigen Worten gelingt es dem Leser so, die Emotionen und die körperliche Verfassung der Protagonisten nachzuvollziehen. Auch fand ich es sehr beeindruckend, wie gekonnt die Autorin die zunehmende Aphasie von Michka sprachlich dargestellt hat.
Trotz der sprachlichen Feinheit und der an sich sehr interessanten Hauptstory, könnte mich der Roman jedoch nicht völlig überzeugen: Ich bin eine großer Fan von Delphine de Vigans Romanen: Trotz der geringen Seitenanzahl gelingt es ihr, dass der Leser tief in die Geschichte eintaucht und für kurze Zeit völlig mit den handelnden Personen „mitlebt“ und diese intensiv begleitet. Das ist leider bei Dankbarkeiten nicht der Fall: Die Perspektiven wechseln viel zu schnell, die ganze Handlung bleibt trotz des ernsten Themas irgendwie sehr oberflächlich. Auch die Geschichte mit dem Ehepaar, die Michka als Kind bei sich aufnahmen und deren plötzliches Wiederfinden, ist sehr konstruiert und wirkt etwas gewollt. So ist beispielsweise Loyalitäten um Welten besser!
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☆☆☆☆☆
Lektüre, die ein beseeltes Gefühl hinterlässt
Sophie L. - Bewertet am 12.03.2020
Zustand: Exzellent
Im neuen Roman von Delphine de Vigan geht es um Michka, eine alte Dame, die nicht mehr alleine in ihrer Wohnung bleiben kann und in ein Seniorenheim zieht. Sie verliert immer mehr ihre Sprache und vergisst die Wörter. Der letzte Wunsch von Michka ist es, die Leute zu finden, die sie im Alter von… sieben Jahren aufgenommen haben. Auf dem letzten abschnitt ihres Lebens bekommt sie Unterstützung von Marie, einer jungen Frau, die Michka schon von klein auf kennt und ihrem Logopäden Jérôme.
De Vigan hat wieder ein mal ein wunderbares Buch geschrieben, dass so zärtlich und gefühlvoll ist. Ebenso gelungen spielt die Autorin mit der Sprache, den verlorenen Wörtern in Michka's Kopf. Allein das, lässt die Protagonistin unglaublich sympathisch wirken. Aber auch Marie und Jérôme stehen ihr im Punkto Sympathie in nichts nach.
Das Buch erinnert den Leser dran, dass das Leben irgendwann zu Ende ist und man dann keine Chance mehr hat "Danke" zu sagen.