Road- und Coming-of-Age-Movie um zwei junge Männer, die sich in Marokko kennenlernen und im Wohnmobil nach Europa reisen, der eine ein britischer Tourist, der andere ein kongolesischer Flüchtling.
Sebastian Schipper legt nach seinem sechsfach Lola-prämierten Berlin-Drama "Victoria" ein lebendiges und mitreißendes Road- und Coming-of-Age-Movie vor, das von zwei jungen Männern aus verschiedenen Welten erzählt, die Freunde werden. Fionn Whitehead aus "Dunkirk" und Stéphane Bak aus "Die Schüler der Madame Anne" sind ein Glücksgriff, spielen mit natürlichem Charme und die Chemie zwischen ihnen stimmt. Sie sind Jungs, die gerne posen, erst einmal über Fußball reden bevor sie offenbaren, was sie wirklich bewegt. Schipper erzählt chronologisch, mit viel Humor, Sensibilität und Emotion, von ihrer Annäherung und wie sie einen eigenen Weg finden, sich ihren Problemen stellen. Gyllen, der britische Tourist, der im Marokko-Urlaub vor seiner Familie flieht und der Erinnerung an den toten Bruder, und mit dem Wohnmobil des Stiefvaters abhauen will, und William, ein wenige Tage jüngerer Mann aus dem Kongo, der in Frankreich seinen älteren Bruder sucht, der sich nach seiner Flucht lange nicht mehr gemeldet hat. Dabei gibt es wunderbar verspielte Szenen, etwa wenn die zwei sich in einem Spiel vorstellen, wer sie sein könnten, mit einem Augenschließen und öffnen oder in einer Spiegelung tanzen. Schipper, der auch das Drehbuch schrieb, wechselt auch mal unvermittelt den Tonfall zu drastisch-dramatischen Szenen. Etwa wenn Gyllen, der sich zu Anfang - komisch anzusehen - im Suff ärgert, dass er das Wohnmobil nicht starten kann, wenig später von Betrügern bedroht wird. Auf ihrer Tour - mit der Fähre nach Spanien, wo Moritz Bleibtreu einen überraschenden Auftritt als Späthippie hat, und weiter nach Frankreich, gibt es auch eine spontane, ausgelassene Strandparty mit anderen Jugendlichen wie es 18-Jährige eben so tun, bis sie und der Zuschauer in Calais endgültig mit der bitteren Realität von Flüchtlingen konfrontiert werden. Matteo Coccos Kamera bleibt nahe an seinen beiden Protagonisten - sie bleiben der Fokus, auch wenn die sehr unterschiedliche Landschaft und Umgebung in den drei Ländern offenbar wird - und The Notwist sorgt wie bei Schippers Debüt "Absolute Giganten", auch eine Geschichte über Freunde und das Erwachsenwerden, für die passende Untermalung.