Packendes Justizdrama nach Bestsellervorlage um einen jungen Anwalt, der bei seinem ersten und aussichtslos scheinenden Fall einem Justizskandal auf die Spur kommt.
Nach "Glück" und "Terror" landet eine weitere Verfilmung eines Bestsellers von Jurist und Autor Ferdinand von Schirach in den Kinos. Es ist ein Justizdrama, das klassisch im Gerichtssaal spielt, aber auch viel außerhalb und in Rückblenden mit großer Geste für ein deutlich breiteres Publikum erzählt, mit auffälligen, fließenden Kamerafahrten und emotionalem Score. Im Zentrum steht "Fack ju Göhte"-Star Elyas M'Barek, der nach "Dieses bescheuerte Herz" hier eine noch ernstere Rolle in einer Constantin-Produktion übernimmt und vielleicht auch das jüngere Publikum in den erwachsenen Film lockt.
Im perfekt sitzenden Anzug gibt er den sozialen Aufsteiger und später engagiert und hartnäckig ermittelnden Caspar Leinen, der es vom türkisch-deutschen Trennungskind zum Anwalt geschafft hat und mit seinem ersten Job als Pflichtverteidiger in einen höchst brisanten und prominenten Mordfall schlittert. Handelt es sich beim Opfer, dem scheinbar kaltblütig Kugeln in den Kopf gejagt wurden, doch um einen Großindustriellen und unterstützt ein renommierter Anwalt, der auch ein ehemaliger Professor von Caspar ist, die Klägerseite. Besonders prekär ist, dass der Tote Hans Meyer, Mentor, ja Ziehvater von Caspar, und dessen Enkelin, Caspars Jugendliebe war, die als Nebenklägerin auftritt. Heiner Lauterbach glänzt in ungewohntem Look als von sich eingenommener Starjurist. Internationale Starpower bringt Franco Nero in den Film, der kaum ein Wort sagt, weil seine Titelfigur die Aussage verweigert, aber dennoch die perfekte würdige Präsenz ausstrahlt.
Der Film macht gleich zu Anfang klar, dass er es ernst meint, mit seinem knapp, päzise und ruhig umgesetzten Mord. In seinen besten Momenten erinnert der Film von Marco Kreuzpaintner, der mit u.a. "Trade" oder der Serie "Beat" bereits ansprechend ähnliches Genre umsetzte, an die kühlen Politthriller und Krimis aus den 1970er oder 1980er Jahren. Zu dick trägt er bei den Rückblenden in die Vergangenheit Collinis auf, in der er mit Jannis Niewöhner als junger Version von Manfred Zapatkas Meyer zwar weitere, kompetente Prominenz auffährt, aber gen Nazifilmklischees abzudriften droht. Ein packendes Hochglanzjustizdrama ist "Der Fall Collini" dennoch. hai.
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