In der noch aufwändigeren zweiten Staffel der Erfolgsserie ergeben Ehrgeiz und Rache ein faszinierendes Motivgemisch.
"Bad Banks" hat gemeinsam mit "Babylon Berlin" ein Zeichen gesetzt: Auch deutsche Produktionsfirmen sind in der Lage, großes Fernsehen für den Weltmarkt herzustellen. Aber kann es gelingen, diesen Erfolg zu wiederholen, womöglich zu übertrumpfen? Die Autoren von "Babylon Berlin" konnten bei ihrer Fortsetzung immerhin auf einen weiteren Roman von Volker Kutscher zurückgreifen, zumal die 1920er-Jahre ohnehin ein unerschöpflicher Fundus sind. Bei "Bad Banks" lagen die Dinge anders: Das mächtige Bankhaus Deutsche Global Invest (DGI) war am Ende, den Protagonisten rund um die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) ging es nicht besser. Aber weil die Bank gerettet worden ist, geht es für Jana und ihre Mitstreiter Adam (Albrecht Schuch) und Thao (Mai Duong Kieu) weiter, wenn auch erstmal ganz unten; und natürlich will das Trio wieder nach oben.
Um nicht erneut nur von Aufstieg und Fall zu erzählen, führt Oliver Kienle neben dem Ehrgeiz ein weiteres Antriebsmotiv ein: Rache. Damit hat der Autor schon mal eine der wichtigsten Fortsetzungsherausforderungen gemeistert: Hauptfiguren sollen sich zwar treu bleiben, müssen aber in gewissem Sinn neu erfunden werden. Die Global Invest reagiert auf die digitalen Veränderungen und gründet in Berlin eine Einrichtung für Start-up-Firmen. Jana sieht in diesem "Inkubator" (Brutkasten) ihre Zukunft, hat aber die Rechnung ohne Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) gemacht: Ihre frühere Förderin soll kaltgestellt werden, will sich jedoch rächen und erpresst Jana, als ihr Werkzeug zu fungieren. Natürlich mischt auch Janas Lehrmeister Gabriel Fenger (Barry Atsma) wieder mit. Der charismatische frühere Investmentchef wird zu ihrem Gegenspieler, als sie ein vielversprechendes Unternehmen aufbauen soll, das Anlegern hilft, ihr Geld nachhaltig zu investieren; Fenger ist bei der Konkurrenz eingestiegen. Jana, von Paula Beer wieder vorzüglich als Alice im finsteren Wunderland verkörpert, kann endlich das Richtige tun; und dann gerät plötzlich alles außer Kontrolle.
Die Welt der Hochfinanz ist durch die Digitalisierung ungleich komplizierter geworden. Diese Entwicklung ist auch an "Bad Banks" nicht spurlos vorübergegangen: Die Dialoge sind noch komplexer und zudem oft auf Englisch, was angesichts der komplizierten Materie oft zur Lektüre der Untertitel zwingt. Die Faszination der zweiten Staffel resultiert jedoch vor allem aus den Figuren. Zweites großes Thema neben der Rachsucht ist der Generationenkonflikt: Die alte Führungsriege will den Fortschritt aussitzen, die Jungen wollen die Entwicklung vorantreiben. Reizvoll ist auch die Ergänzung des Ensembles um neue Mitwirkende, allen voran Trystan Pütter als junger Finanzminister, der die Banken wieder von der Leine lassen will, und Noah Saavedra als GreenWallet-Gründer Ben Kaufmann, den mit Jana mehr als nur ökonomische Interessen verbinden. Heimlicher Star der Serie ist diesmal Désirée Nosbusch, die die perfekte Ausstrahlung für die Figur der kaltblütigen Intrigantin mitbringt.
Regisseur Christian Schwochow hat bei "Bad Banks" gemeinsam mit Kameramann Frank Lamm auch optisch Maßstäbe gesetzt. In dieser Hinsicht gibt es die größte Veränderung: Regie führte nun Christian Zübert, die Bildgestaltung oblag Ngo The Chau, einem der besten seines Fachs, sowie Moritz Kaethner. Dessen Langfilmografie ist zwar noch sehr überschaubar, aber ein qualitativer Unterschied ist nicht zu erkennen, selbst wenn der Stoff für Zübert ("Lammbock"/"Lommbock"), für "Neue Vahr Süd" (als Autor) sowie einen "Tatort" ("Nie wieder frei sein") 2011 gleich zweimal mit dem Grimme-Preis geehrt, eher ungewöhnlich ist. Der Aufwand scheint ohnehin noch größer zu sein; die zweite Staffel war mit rund 10 Millionen Euro angeblich sogar 2 Millionen teurer als die erste. tpg.