Tolles, modernes deutsches Debütdrama um eine junge Frau und zwei Männer, die das Schicksal verbindet.
Mitreißendes Regiedebüt, das locker-luftige Liebesgeschichte, tragisches Schicksalsdrama, auch pulsierender Krimi und Thriller sowie einen Hauch Physik und Philosophie verbindet. Regisseurin Mariko Minoguchi, die auch das Drehbuch schrieb, inszenierte bereits preisgekrönte Kurzfilme und lieferte mit Tim Fehlbaum das Drehbuch zum Sci-Fi-Thriller "Haven - Above Sky". Hier begeistert sie mit einem höchst kunstvoll konstruierten Puzzle, dem der Zuschauer nicht nur gerne folgt, sondern bei dem er sich mit Lust dem Wechselbad der Gefühle hingibt. Minoguchi beherrscht souverän die Genres, wechselt mit Leichtigkeit zwischen ihnen, zwischen den Zeiten. Sie zeigt ihre Protagonisten Nora und Aron, der nicht an Zufälle glaubt, in intimen Szenen in wunderbar verspielter Verliebtheit, setzt einen rasanten Banküberfall in Szene, bei dem Aron ums Leben kommt. Sie schildert, wie Natan, der dritte Protagonist, den Nora kennenlernt, als sie sich in Trauer und Verzweiflung ins Nachtleben stürzt, sich rührend um seine todkranke Tochter kümmert. Nie wirken die Szenen kitschig, sondern frisch. Minoguchi trifft in Stimmung und Dialog den richtigen Ton, ein bisschen schräger als der Mainstream, hat das richtige Timing. Der Schnitt von Andreas Menn - er glänzte auch bei "Finsterworld" und Fehlbaums Debüt "Hell" - und die Kamera von Julian Krubasik sind auf höchsten Niveau. Mit Saskia Rosendahl ("Lore"), Edin Hasanovic ("Nur Gott kann mich richten") und Julius Feldmeier ("Tore tanzt") hat der Film außerdem drei der spannendsten jungen Schauspieler Deutschlands als Hauptcast, denen und deren von Minoguchi sympathisch gezeichneten Figuren man gerne zusieht. Der ebenso spannende wie teils poetische Film, bei dem auch Soundtrack, Ausstattung und Kostüm perfekt passen, ist auch ein schöner München-Film. Nicht nur die Regisseurin stammt von dort, auch die Produzenten leben hier, Trini Götze und David Armati Lechner von Trimafilm, die 2018 für ihr Debütdrama "Alles ist gut" prämiert wurden, und der erfahrene Thomas Wöbke. Von Mariko Minoguchi und Trimafilm wird man noch einiges hören. Ihrem Film, der bei seiner Premiere beim Filmfest München eine Auszeichnung verdient hätte, sind viele Zuschauer zu wünschen. hai.