Thriller und schwarze Komödie über einen rumänischen Polizisten, der nach La Gomera reist und die dortige Pfiffsprache lernt.
Mit "Les siffleurs"/"The Whistlers" stellte der Rumäne Corneliu Porumboiu seinen ersten Film im Wettbewerb von Cannes vor, (eine rumänisch-französisch-deutsche Koproduktion, mit Komplizen Film als deutschem Koproduktionspartner). Das war überfällig, denn Porumboiu hatte die Wiedergeburt des rumänischen Kinos Mitte der Nullerjahr mit Filmen wie "12:08 Jenseits von Bukarest" und "Police, adjective" mit auf den Weg gebracht, wird aber seither von Filmemacher wie Cristian Mungiu oder Cristi Puiu überschattet. Sein neues Werk ist ein irres, versponnenes Ding, ein Film, wie man ihn sich bislang von einem Regisseur der rumänischen New Wave nicht vorstellen konnte, als würde Ilse Werner einen Roman von John le Carré tirillieren. So viel gepfiffen wie hier wurde im Kino vermutlich nicht mehr, seitdem Eric Idle in "Das Leben des Brian" im Chor der Gekreuzigten "Always Look on the Bright Side of Life" anstimmte: "Just dance and whistle, that's the thing." Dabei ist El Silbo, eine uralte Sprache, mit der man sich auf La Gomera nur mit Pfiffen miteinander verständigt, Dreh- und Angelpunkt, um die Geschichte funktionieren zu lassen.
Diese Sprache muss Cristi erlernen, ein vom rechten Weg abgekommener Polizist aus Bukarest, der sich vom organisierten Verbrechen einspannen lässt, um einen der ihren aus der Haft herauszupauken, weil er Millionen an einem Ort versteckt hat, den nur er kennt. Allerdings ist Cristis Vorgesetzte Magda ihm auf der Spur: Allenorts wird hier abgehört, sind hier versteckte Kameras angebracht, jeder wird überwacht. Und stets wird das Wissen um die Geheimnisse des anderen eingesetzt, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. El Silba ist also notwendig, um der allgegenwärtigen Kontrolle zu entgehen. Corneliu Porumboiu nutzt seine aus der Not der Menschen entstandene Prämisse für eine absurde Komödie, bei der einem Hören und Sehen vergeht. Weil zwar der genau ausgetaktete Plot immer weiter läuft, aber eben auch allzu menschliche Gefühle in den Weg kommen. Weil sich der brave Polizist in das Gangsterliebchen Gilda verliebt, die nicht nur so heißt wie Rita Hayworth in dem gleichnamigen Klassiker der Schwarzen Reihe, sondern auch genauso umwerfend aussieht und mindestens so durchtrieben und verrucht ist. Nie weiß man, wer da wen auszutanzen versucht. In immer neuen Kapiteln werden neue Figuren eingeführt oder ein neuer Winkel vorgestellt, der die Dinge immer noch komplizierter macht, bis sich fast alles in einem toll inszenierten Showdown in einer stillgelegten Filmstadt auflöst. Es ist ein wilder Ritt, die Einfälle des Regisseurs lassen einem bisweilen den Mund offenstehen, aberwitzige Lacher und harte Gewalt liegen hier nahe beieinander. Und in einer wunderbaren Szene in einem Kino, wo man sich treffen kann, ohne abgehört zu werden, läuft gerade "Der schwarze Falke" auf der Leinwand, eine Szene, man glaubt es kaum, in der gepfiffen wird. ts.
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