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Der Umwelt zuliebe
Technische Daten
Erscheinungsdatum
12.02.2015
Sprache
Deutsch
EAN
9783734735516
Herausgeber
BoD – Books on Demand
Sonderedition
Nein
Autor
Michaela Dane
Seitenanzahl
360
Auflage
1
Einbandart
Taschenbuch
Buch Untertitel
Kein Weichei für Walhall
Autorenporträt
Michaela Dane:
Michaela Dane wurde 1963 in Düsseldorf geboren und studierte Biologie und Arabisch. Seit den 90er Jahren betreibt sie zusammen mit ihrem Mann eine Praxis für Allgemeinmedizin mit klinischem Labor in Spanien und ließ sich zum Sommelier ausbilden. 2000 wurde die Autorin in die Rittergilde „Cofradía Reino Monastrell“ aufgenommen, danach folgte eine Ausbildung in spagyrischer Paracelsusmedizin. Sie singt als Sopranistin in einer Musik-gruppe zur Erhaltung spanisch-mittelalterlicher Musik und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Die Liebe zur nordischen Mythologie ergibt sich aus der Familiengeschichte, die hier zum Teil erzählt wird.
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★★★★★
☆☆☆☆☆
Zwischen Akten, Schuld und Schweigen
Mirjan S. - Bewertet am 06.02.2026
Zustand: Exzellent
Mit Walküre legt Daniel Zipfel einen Roman vor, der hochaktuelle Fragen mit historischer Verantwortung verschränkt. Erschienen ist das Buch im Leykam Verlag, Zipfel selbst arbeitet als Jurist in der Asylrechtsberatung, ein Hintergrund, der den Text spürbar prägt. Erzählt wird von Benjamin Weiß, der… 2015 in Wien im Asylbereich arbeitet und den Fall eines syrischen Mannes übernimmt, dem Kriegsverbrechen vorgeworfen werden. Parallel dazu kehrt mit dem Einzug seiner Großmutter die verdrängte NS-Vergangenheit seiner eigenen Familie zurück.
Meine Meinung
Das Buch hat es fast von Seite eins weg geschafft, mich zu fesseln und das obwohl die Sprache klar, direkt, beinahe nüchtern daherkommt. Aber gerade das in Kombination mit dem Thema macht es aus meiner Sicht so wirkungsvoll. Zipfel verzichtet auf große Bilder und lässt stattdessen Strukturen sprechen: Akten, Verfahren, Bescheide. Menschen werden zu Papier. „All ihre Verzweiflung, die Angst und die Emotionen wurden hier zwischen Kartondeckel gefügt.“ (S. 22)
Besonders gut gelungen fand ich die Darstellung des Arbeitsalltags im Asylrecht: die Überforderung, die Bürokratie, das ständige Abwägen zwischen professioneller Distanz und menschlicher Nähe. Viele (wenn nicht sogar alle) der beschriebenen Missstände sind real und mir selbst leider aus eigener Erfahrung bestens bekannt. Und genau das macht das Lesen stellenweise schwer auszuhalten. „Wie die Haut mit der Zeit taub werden konnte, so schien es auch eine Taubheit des Mitgefühls zu geben.“ (S. 127)
Parallel zur Arbeit im Asylbereich entfaltet sich die familiäre Spurensuche des Protagonisten: die Rolle der Großeltern im Nationalsozialismus, das Schweigen, die Schuld, die bis in die Gegenwart wirkt. Zipfel zeigt wunderbar auf, dass Verdrängung keine Vergangenheit kennt und viele Glaubenssätze bis in die Gegenwart wirken: „Ein deutscher Mann weint nicht.“ (S. 10), ein Satz, der sich wie ein Leitmotiv durch Generationen zieht.
Was Walküre bewusst nicht liefert, sind einfache Antworten. Weder moralisch noch politisch. Das kann fordernd sein, ist aber konsequent. Für Leser:innen ohne Vorkenntnisse im Asylrecht könnten manche juristischen Passagen (bspw. alles rund um Dublin) schwer zugänglich sein; an ein, zwei Stellen hätte ich mir daher mehr Einordnung gewünscht. Für mich persönlich war das weniger ein Problem, weil mich das Thema auch außerhalb des Lesens begleitet und ich das Wissen hatte.
Fazit
Walküre ist ein scharfsinniger gleichzeitig aber auch berührender Roman über Schuld, Verantwortung und Ambiguität. Ein Buch, das fordert, belastet, keine Antworten liefert sondern im Gegenteil noch mehr Fragen aufwirft. Für alle, die literarische Gegenwartsliteratur mögen, die sich nicht wegduckt, die Fragen stellt und zum Nachdenken anregt. Nichts für Leser:innen, die klare Antworten oder einfache Urteile suchen und auf eine leicht verdauliche Geschichte hoffen.
Danke an netgalleyde und den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar.