"Undine", Christian Petzolds fünfter Beitrag im Wettbewerb der Berlinale ist wie zuletzt "Transit" ein Favorit im Bärenrennen.
Seine beiden Hauptdarsteller aus der Anna-Seghers-Geschichte, Paula Beer und Franz Rogowski, lässt er hier eine Liebesgeschichte erleben, die märchenhaft, tragisch und wunderschön ist. Dass Petzold in "Undine" den titelgebenden Mythos nicht nur andeutet, wird gleich zu Anfang klar, wenn die Titelheldin ihrem Freund unverblümt sagt, sie müsse ihn töten, wenn er sie verlässt. Dabei sitzen die beiden im Außenbereich eines Cafés in Berlin Mitte, fast gegenüber vom Museum, in dem Undine, die als Historikerin arbeitet und Besuchern anhand Modellen souverän von der Stadtgeschichte erzählt. Meisterhaft, wie Petzold das Geschehen im konkreten Heute, in der Wirklichkeit ansiedelt und wie selbstverständlich den Mythos hineinerzählt. Ihm und seinen bewährten Kameramann Hans Fromm gelingen märchenhafte Bilder in aufwändigen Sequenzen unter Wasser, wenn Industrietaucher Christoph einem Wels begegnet oder er mit Undine zu tanzen scheint. Bereits das erste Zusammentreffen der beiden Protagonisten ist eine denkwürdige Szene, die gar auf Slapstick zurückgreift und mit einem zerbrochenem Aquarium endet. So wurde wohl noch keine Liebesgeschichte begonnen. Und man will nicht, dass die Geschichte, die tragische Dimensionen annimmt, nach 90 Minuten endet. Es sind 90 Minuten, in denen unglaublich kunstvoll und ökonomisch erzählt wird. Dank der ausgezeichneten Texte, Dialoge und Diskurse, die einfach, aber poetisch und konkret sind, der präzisen Montage von Bettina Böhler, (der einige Szenen zum Opfer fielen, wie Rogowski in der Pressekonferenz ironisch betrauerte) und dem entsprechenden Ton- und Musikeinsatz und natürlich dem Spiel seiner Darsteller, für die Petzold eine elegante Choreografie enwarf. Auch die weiteren Darsteller können überzeugen, Jacob Matschenz und Maryam Zaree.
Es sind 90 Minuten, die überraschen, verzaubern, berühren, ja auch informieren über die von wenigen Mächtigen bestimmte (Architektur-)Geschichte Berlins. Im Zentrum steht aber die Geschichte der Titelheldin, einer Frau, die um ihre Liebe kämpft, mit ihrer Bestimmung ringt. "Undine" ist ein Film, in dem Wunder passieren, in dem alles stimmt. Unbedingt preiswürdig. hai.
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