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Portrait zweier starker Frauen
Marie O. - Bewertet am 15.03.2021
Zustand: Exzellent
In „Sie haben ich nicht gekriegt“ erzählt Felix Kucher die Geschichte von zwei mutigen und starken Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Auf den ersten Blick haben die beiden nichts gemeinsam, denn während Tina aus einer armen Arbeiterfamilie stammt und schon mit 11 Jahren die Familie ernähren… muss, wird Marie in einer bürgerlichen Familie geboren, besucht die weiterführende Schule und übernimmt schließlich die Buchhandlung ihres Vaters.
Doch wenn man genauer schaut, weisen die beiden einige Ähnlichkeiten auf.
Tina wandert früh nach Amerika aus und wird Kommunistin, in der klassenlosen Gesellschaft ist für sie besonders die Gleichstellung der Frau von Bedeutung. Sie hat viele Liebhaber, aber ist frei und führt ein selbstbestimmtes Leben.
Marie dahingegen bezeichnet sich zwar als unpolitisch, ist aber eine selbstbewusste und freie Frau. Se führt alleine die Buchhandlung, verhandelt allein unter Männern, macht sich einen Namen in der Branche und heiratet nicht.
So unterschiedlich auch die politischen Ansichten und Lebensweisen der beiden Frauen sind, haben sie eine große Gemeinsamkeit: Sie sind selbstbestimmte und starke Frauen in einer Zeit, die von Männern dominiert wird.
Die beiden Frauen sind unerschrocken und weichen nicht von ihren Idealen ab, so schwer das Leben es ihnen auch macht und geben trotz der ständigen Gefahr, die sie umgibt, nicht auf und kämpfen weiter.
Tina versucht die Revolution voranzutreiben, erst in Mexiko, dann arbeitet sie als Agentin für die Kommunistische Partei Russlands in verschiedenen europäischen Ländern. Sie reist von Ort zu Ort, gibt Essen aus, versorgt Kranke und rettet Leben im spanischen Bürgerkrieg.
Marie bleibt lange in ihrer Heimat Fürth, auch als die Nationalsozialisten die Macht übernehmen und Juden verfolgt werden. Trotz ihrer jüdischen Herkunft versucht sie alles, hält sich lange in Fürth und flieht erst als eine der letzten in die USA.
Eine wunderbare Geschichte über zwei mutige und starke Frauen, wie wir sie häufiger brauchen. Die Schicksale der beiden sind schwer, aber dennoch geben sie niemals auf und kämpfen - auch dafür, als Frau in einer von Männern dominierten Welt respektiert zu werden.
Wenn wir Geschichten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lesen, dann handeln sie meist von Männern, Frauen spielen nur Nebenrollen. Hier wird Ihnen die Hauptrolle zugeschrieben und verdeutlicht, wie stark Frauen sind.
Absolut empfehlenswert!
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Ein besonderes Leseerlebnis
Heike R. - Bewertet am 05.03.2021
Zustand: Exzellent
Dieses Buch begleitet zwei Frauen durch das Zwanzigste Jahrhundert.
Marie ist Jüdin und wächst in Bayern auf. Dort wird sie Buchhändlerin. Sie ist absolut unpolitisch, glaubt nur an bzw. lebt für ihre Bücher.
Tina ist eine italienische Arbeitertochter, später emigriert sie in die USA und… wird Mitglied der Kommunistischen Partei, deren Einsätze sie um die halbe Welt bringen.
Durch die Lebensgeschichten der beiden Frauen werden dem Leser Eindrücke in die Weltgeschichte des Zwanzigsten Jahrhunderts vermittelt, die Räterepublik in Deutschland, die Machtergreifung der Nationalsozialisten, die Mexikanische Kulturrevolution, der Putsch in Spanien.
Allerdings ist mir das manchmal zu wenig tiefgreifend erzählt, da fehlt mir mitunter ein wenig das Erleben der Protagonistin. Grade Marie bleibt für mich etwas "blutleer", ich bekomme kein richtiges Bild von ihr.
Im Großen und Ganzen ist der Roman allerdings großartig. Die Verknüpfung der beiden Hauptfiguren ist fantastisch. Beide lesen zum Beispiel das selbe Gedicht, oder die Überleitung ist "ein blutiges Bett".
Mitunter hatte der Roman so seine Längen, es ist kein Buch, dass ich in einem Rutsch durchlesen muss, allerdings war es schon so einnehmend, das keine Gefahr bestand, nicht weiter gelesen zu werden.
Ein einfühlsamer, manchmal drastischer Roman, der zum Denken anregt und auf jeden Fall nicht dümmer macht!