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★★★★★
☆☆☆☆☆
Und ganz langsam dreht sich die Geschichte …
Michaela R. - Bewertet am 14.09.2021
Zustand: Exzellent
Es ist der neue Alltag von Walter Schmidt, in den die Leser_innen langsam hineingezogen werden. Dessen Frau fällt nach Jahrzehnten für die tägliche rund-um-Versorgung aus und Walter muss sehen, wie er zurechtkommt. Die Beschreibungen über diese Misere bewegen sich zwischen urkomisch über… erbarmungslos bis zutiefst traurig und berührend.
Zu Beginn meint man sich in einer harmlos-witzig und hochgradig unterhaltsamen Geschichte über einen zur Hausarbeit unfähigen und kaltschnäuzigen Rentner-Patriarchen zu befinden. Und dann beginnt Alina Bronsky ganz allmählich und behutsam diese Annahme zu drehen.
Mit großem Fingerspitzengfühl und viel Empathie erfahren die Leser_innen, welche Geschichten und Schicksale hinter den gemeinsamen Ehejahren von Barbara und Walter stecken (geprägt von Flucht, Vertreibung, Assimilation u.a.). Und wie Walter sich in diesen späten Lebensjahren auf seine ganz eigene Art bemüht, dieser, ihrer Geschichte doch noch zumindest eine gute Wendung zu geben.
Obwohl ich die Lektüre sehr genossen habe, hat mich das Ende etwas irritiert. So rührend der Part ist, wirkte er für mich etwas „angeflanscht“. Hätte das Buch meiner Meinung nach nicht gebraucht und wäre eher Material für ein weiteres.
Ein wunderbar typischer Bronsky-Roman – sehr unterhaltsam und gleichwohl mitfühlend bis in die kleinste Nebenfigur. Und dies etwa nicht durch ausufernd erklärende Szenen, sondern durch ganz präzise Worte, Dialoge und lediglich Andeutungen. Kein Mensch ist ohne Geschichte und diese kann einen auch im hohen Alter (erst) einholen.
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☆☆☆☆☆
Die ungeschönte Wahrheit
Kerstin P. - Bewertet am 09.09.2021
Zustand: Exzellent
"Nun war alles anders. Er musste nun Barbara sein, für sich und für Barbara."
Meine Meinung:
Die Leseprobe hat mich schon zutiefst begeistert und der Rest des Buches war ebenfalls wie erhofft sehr amüsant, traurig und an einigen Stellen auch schockierend zugleich.
Walter, die Hauptfigur,… ist ein typischer Mann vom alten Schlag. Frauen gehören hinter den Herd, Hausarbeit ist Frauensache und der Mann verdient das Geld. Dementsprechend ist er dann auch böse auf die Nase gefallen, als seine Frau morgens einfach nicht mehr aufgestanden ist. Das fing beim Kaffeekochen an und hörte nirgends mehr auf. Trotzdem habe ich Walter sofort ins Herz geschlossen. Seine grummelige und hilflose Art macht ihn auf der anderen Seite schon wieder sympathisch. Ich glaube im tiefsten Inneren wollte er doch immer nur das Beste für seine Familie. Die Entwicklung die er durchgemacht hat, auch wenn er sich lange dagegen gesträubt hat, war sehr schön beschrieben.
Das Ende der Story hatte ich mir eigentlich anders gewünscht, bzw. vorgestellt. Als ich das Buch zuklappte, war ich leicht enttäuscht. Im Nachhinein, nachdem ich alles hab sacken lassen, finde ich den Schluss eigentlich ganz in Ordnung.
Die Story war sehr authentisch und bildhaft dargestellt. Die Beschreibungen teils herrlich komisch und die Dialoge zum wegschmeißen.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er ließ sich locker und flüssig lesen. Das Cover sowie den Titel hätte man einfach nicht besser wählen können.
Fazit:
Ich hab mich köstlich amüsiert. Kann dieses Buch jedem empfehlen, der gerne liest. Ganz besonders möchte ich es aber der Männerwelt ans Herz legen, besonders denen, die so denken wie Walter. Vielleicht ist da ja noch was zu retten.