Ken Loach ("Raining Stones"), der bissige, sozialkritische Dokumentarist, ist nach dem Tod von Tony Richardson und Lindsay Anderson und der Kreativpause von Karel Reisz der letzte und zugleich loyalste Vertreter des britischen Free Cinema. Auch in seinem bislang größten Projekt, das im diesjährigen Wettbewerb von Cannes zu den Favoriten zählte, bleibt er seinem Schwerpunkt, dem in Systemen oder Ideologien gefangenen Menschen, treu. Mit "Land and Freedom" verläßt Loach erstmals den gewohnten irisch-englischen Boden und beleuchtet mit Engagement und kritischem Blick das Scheitern des sozialistischen Traums im spanischen Bürgerkrieg. Mit den Augen eines großen Kindes kehrt Loachs Protagonist David, ein junger, arbeitsloser, von kommunistischen Idealen begeisterter Mann, Liverpool im Jahr 1936 den Rücken, um sich mit anderen Freiwilligen aus Europa und Übersee der republikanischen Miliz im Kampf gegen die spanischen Faschisten anzuschließen. In einer zusammengewürfelten, durch das gemeinsame Ziel solidarisierten Truppe lernt David (Ian Hart, "Backdraft") eine schmerzliche Lektion. Seine Vorstellung vom Krieg als idealisiertes Abenteuer wird schnell ernüchtert: Diffus sind die Fronten im Bürgerkrieg, zersplittert das eigene linke Lager, undurchschaubar das intrigante Spiel der Mächte im Hintergrund. Die Idee mag verraten worden sein, aber gestorben ist sie nicht - daraus macht der überzeugte Idealist Ken Loach keinen Hehl, der die Geschichte Davids, seiner Kameraden und seiner großen Liebe Blanca (Rosana Pastor) aus Aufzeichnungen und Fotos entwickelt, die nach Davids Tod in der Gegenwart die Vergangenheit lebendig werden lassen. Leidenschaftlich und überzeugend gespielt ist dieser kluge, aufwühlende Film, der sich engagiert, aber nicht unkritisch mit seinen politischen Inhalten (Stalinismus versus Kommunismus, Privat- versus Gemeineigentum etc.) auseinandersetzt, den Menschen jedoch die größte Liebe zuteil werden läßt. Angesichts der historischen Details ein vermeintlich auf ein vorinformiertes Publikum zugeschnittener Film, der aber durch seine humane Perspektive und eine unsentimental, aber berührend erzählte Liebesgeschichte auch außerhalb von Loachs gewohnter Klientel auf verdientes Interesse stoßen könnte. kob.