In der Gestalt des Actionritters von der traurigen Gestalt erรถffnete Chow Yun-Fat 1986 in John Woos melancholischem Todesballett "A Better Tomorrow/Der City-Wolf" zweihรคndig das Feuer auf ein gebanntes asiatisches Publikum und verรคnderte nachhaltig das Gesicht des Actionfilms. Mehr Delon als Schwarzenegger, mehr Cagney als Stallone, trug Chow bei allem Stilbewuรtsein immer auch eine fรผr monolithische Actionhelden der Zeit ungekannte Verletzlichkeit zur Schau. Nachdem die Hongkong-Kollegen John Woo und Jackie Chan bereits erfolgreich eingemeindet wurden, will Hollywood nun auch nicht mehr auf Ol' Black Eyes verzichten. Videoclip-Regisseur Antoine Fuqua zimmerte dem Asiaten ein bleihaltiges Vehikel, in dem die Action standesgemรคร ausfรคllt, jeglicher Tiefgang aber dem halsstarrigen Stilwillen des Regiedebรผtanten geopfert wurde.
So macht "Die Ersatzkiller" รผber weite Strecken seinem Namen alle Ehre und wirkt wie ein Ersatz-Actioner, der sich als Hommage an seinen charismatischen Hauptdarsteller versteht, als Best-of-Reminiszenz an klassische Hongkong-Werke wie "Blast Killer" oder "City on Fire". Daร in diesen Filmen nicht nur kรผbelweise Herzblut in ebenso furios wie unerbittlich inszenierten Schieรereien vergossen wurde, sondern selbiges auch so groรzรผgig durch ihre Handlungen pumpen lieร, daร man Anteil nahm am Schicksal seiner Figuren und ihren moralischen Dilemmas, vernachlรคssigt Fuqua in seiner Zitatensammlung รผber einen Killer, der einen letzten Auftrag nicht รผbers Herz bringt und so selbst ins Kreuzfeuer seines Auftraggebers gerรคt. "Die Ersatzkiller" sind kรคlter als der Held. Hier triumphiert Stil jederzeit รผber Substanz, wenn die Filmemacher ein Feuergefecht an das andere reihen und emotionalen Tiefgang auf tiefe Augen-Blicke und rรผhrend erzรคhlte Geschichten aus der Vergangenheit des Protagonisten beschrรคnken.
Chow Yun-Fat ficht weder an, daร man ihm als Hollywood-Debรผt ein Vehikel bescherte, wie es auch in das Oeuvre eines Jean-Claude Van Damme passen wรผrde, noch daร er den Part des Mรถrders mit einem Herz aus Gold bereits im Schlaf spielen kann. Wenn er durch das bemรผhte "Sieben"-Ambiente marschiert und kleine Gesten und groรe Waffen sprechen lรครt, dann ist er รผberzeugender und cooler als es die gesamte Riege der รผberbezahlten Actionhelden der Traumfarbik jemals sein konnte. Weil sein Englisch limitiert ist (sollte in der Synchronisation weiร Gott kein Problem darstellen), lรครt er seine Partnerin Mira Sorvino sprechen, die der maulfaule Killer aufsucht, um sich von ihr Papiere fรคlschen zu lassen und so aus Amerika verschwinden zu kรถnnen, bevor die Ersatzkiller (der Schรถne und das Biest: Til Schweiger, in seinem sehr kurzen, unerheblichen Hollywood-Debรผt, und Danny Trejo) ihn finden kรถnnen. Man muร kein Prophet sein, um vorherzusehen, daร sie mit Chow fortan durch Dick und Dรผnn gehen muร. Auch wenn sie bemรผhter als ihr Gegenรผber wirkt, gibt Sorvino im Jรผrgen-Teller-Junkie-Chic doch eine ansprechende und aggressive Figur ab, die dem Film gut zu Gesicht steht. Wenn die beiden Stars gemeinsam zum Spieรrutenlauf antreten und ihre gesichtslosen Feinde in Waschstraรen, alten Kinos, heruntergekommenen Hausgรคngen, Videoarkaden und einem Chinatown-Straรenzug, wie man ihn auch in den Bavaria-Studios nicht schรถner hรคtte bauen kรถnnen, dezimieren, will man gerne darรผber hinwegsehen, daร ihr Regisseur zwar ein gutes Auge, aber doch nur einen rรถchelnden erzรคhlerischen Atem besitzt. Was durchaus mehr hรคtte werden kรถnnen, gibt sich so damit zufrieden, als bestechend fotografierter, aber wenig beseelter Actioner ausschlieรlich die Genreklientel zu bedienen.ts.