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Technische Daten
Erscheinungsdatum
01.07.2010
Sprache
Englisch, Französisch, Deutsch
EAN
9783831904082
Herausgeber
Ellert & Richter
Sonderedition
Nein
Autor
Reinhard Felden, Wolfgang Kintscher, Matthias Maruhn
Seitenanzahl
72
Einbandart
Gebundene Ausgabe
Autorenporträt
DIE AUTOREN
Reinhard Felden
geb. 1955, lebt in Bochum. Nach der Ausbildung zum Bürokaufmann studierte er an der Fachhochschule Dortmund Bildjournalismus. Er veröffentlichte in vielen deutschen Zeitschriften, vor allem im Bereich Wirtschafts- und Industriereportage, und wirkte bei verschiedenen Buchprojekten mit.
Wolfgang Kintscher
geb. 1963, lebt in Essen. Seit 1980 Journalist, seit 1986 bei der Neuen Ruhr/Rhein Zeitung, erst in Oberhausen, seit 1989 in Essen, wo er sich vor allem der Kommunalpolitik und kommunalen Wirtschaft widmet.
Matthias Maruhn
geb. 1957 in Essen. Seit 1975 arbeitet er als Journalist, seit 1985 fest bei der Neuen Ruhr/Rhein Zeitung in der Reportagen-Redaktion.
Wenn Bestsellerautorin Alina Bronsky über Essen schreibt, geht es nicht um Rezepte, sondern um Erinnerungen, Gefühle und Identität. Die deutsche Schriftstellerin mit russischen Wurzeln, bekannt durch Romane wie Scherbenpark oder Baba Dunjas letzte Liebe, ist für ihren pointierten Stil und ihre… scharf gezeichneten Figuren berühmt. In ihrem Essayband „Essen“ widmet sie sich nun einem Thema, das so universell wie persönlich ist.
Worum geht’s genau?
Bronsky nimmt die Leser:innen mit auf eine kulinarische Reise durch ihr Leben: von Porridge und Borschtsch über Schokolade bis hin zum Butterbrot. Essen wird dabei zu einem Spiegel kultureller Prägung und familiärer Traditionen. Es geht um Fürsorge und Erwartung, um Askese und Hingabe, um Heimat und Entfremdung. „Jeder Mensch könnte ein Buch über Essen schreiben, das genauso einzigartig wäre wie sein Fingerabdruck“ (S.16), schreibt Bronsky & genau das versucht sie hier: ein subjektives, fragmentarisches Erinnerungsbuch über ihre Beziehung zu Speisen, die mehr sind als bloße Nahrung.
Meine Meinung
Ich habe mich sehr auf diesen Essay gefreut, nicht zuletzt weil ich die Hanser-Reihe „Leben“ sehr schätze. Die Bände "Lieben" und "Altern" haben mich nachhaltig beeindruckt, und auch von Alina Bronsky kenne ich bereits den Roman "Pi mal Daumen" (den ich gern gelesen hab). Der persönliche Zugang, die kurzen Kapitel und der gewohnt humorvolle, pointierte Sprachstil haben mir durchaus gefallen. Schon die einleitende Beobachtung „Essen ist ein Thema, zu dem so ziemlich jeder etwas zu sagen hat. Nur wenige Dinge sind so privat und so öffentlich“ (S.12) verdeutlicht, dass Bronsky das Alltägliche mit literarischem Blick betrachtet.
Was für mich jedoch zu kurz kam, war die gesellschaftliche Dimension des Themas. Zwar wird deutlich, dass Essgewohnheiten kulturell geprägt sind („Mit etwas mehr Abstand lässt sich sagen, dass ich hier zum ersten Mal eine Zugehörigkeit zu einem kulinarischen Kulturraum wahrnahm“, S.19), doch darüber hinaus bleiben gesellschaftskritische Fragen weitgehend ausgespart. Klassismus, soziale Ungleichheit oder aktuelle Ernährungsdebatten hätte ich mir stärker und expliziter gewünscht. So bleibt am Ende vor allem hängen, dass Essen Identität stiftet. Ein wichtiger Gedanke, aber bei 112 Seiten dann doch etwas wenig.
Stattdessen überwiegt eine persönliche, oft auch humorvolle Auseinandersetzung mit Kindheitserinnerungen, Migrationserfahrungen und familiären Ritualen. Das hat seinen Reiz, etwa wenn Bronsky ironisch anmerkt: „Home is where your porridge is“ (S.19). Gleichzeitig fehlt mir persönlich die Tiefe, die ich an den anderen Essays der Reihe so mochte. So ist "Essen" zwar unterhaltsam, aber kein Buch, das mir lange in Erinnerung bleibt.
Fazit
Essen ist ein leichtfüßiger, sehr persönlicher Essay, der vor allem Leser:innen gefallen wird, die Bronskys Tonfall mögen und Lust auf literarische Miniaturen rund ums Kulinarische haben. Wer hingegen eine analytische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Dimensionen von Ernährung erwartet, wird hier eher enttäuscht. Herzlichen Dank an NetGalley.de und den Hanser Verlag für das Rezensionsexemplar.