Dritte Trilogie der Familiensaga um Mutter Schöllack und ihre drei Töchter.
Womöglich ist es schon erstaunlich und eindrucksvoll genug, dass es dem ZDF und der Produktionsfirma UFA Fiction gelungen ist, mit "Ku'damm 56" und der Fortsetzung "Ku'damm 59" zwei Trilogien auf höchstem Niveau zu erzählen. Die erste Staffel (2016) verknüpfte auf kongeniale Weise die Zeit des Wirtschaftswunders mit dem Erwachsenwerden dreier Schwestern, deren Rollen mit Sonja Gerhardt, Maria Ehrich und Emilia Schüle glänzend besetzt waren. Staffel zwei (2018) war trotz diverser Dramen und Tragödien große Unterhaltung. Die drei Schöllack-Töchter schienen ihren Platz im Leben gefunden zu haben; eine Gewissheit, die sich in der dritten Staffel als trügerisch erweist.
Trotzdem können die Filme sieben bis neun die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen, was womöglich auch mit einem Wechsel hinter der Kamera zu tun hat: Die Drehbücher stammen nicht mehr von Grimme-Preisträgerin Annette Hess ("Weissensee"), die das Projekt aber noch als "Creative Producer" begleitete; die Verantwortung lag nun bei Marc Terjung. Regie führte nach Sven Bohse Sabine Bernardi, die sich neben zwei sehenswerten Episoden für die ZDF-Reihe "Kommissarin Lucas" vor allem durch die überraschend bissige Urlaubskomödie "Ein Ferienhaus auf Teneriffa" (2019, Degeto) und einen sehenswerten NDR-Tatort" ("Böser Broden", 2017) empfohlen hat.
Die dritte Staffel beginnt mit einem Schock: Mutter Schöllack (Claudia Michelsen) wird an Heiligabend von einem Bus erfasst und kann ihre Tanzschule vorerst nicht weiterführen. Tochter Helga (Ehrich) tritt in ihre Fußstapfen. Eva (Schüle) hat einen cleveren Weg gefunden, sich mit dem Despotismus ihres Gatten Jürgen (Heino Ferch) zu arrangieren, und findet Erfüllung in ihrer Kunstgalerie; bis Jürgen dafür sorgt, dass sich das Blatt wendet. Einzig Monika (Gerhardt) ist zunächst mit ihrem Mann (Sabin Ambrea) glücklich; das ändert sich, als sie eine Fehlgeburt hat.
Diesen vorgegebenen Rahmen füllt das Autorentrio mit vielen kleinen und großen Geschichten, die zum dritten Mal eine Garantie für Kurzweiligkeit sind. Einziges Manko ist der fehlende Fluss: Weil die Handlung nun auf noch mehr Figuren verteilt ist, wirkt Bernardis Erzählweise mitunter episodisch und sprunghaft. "Es liegt was in der Luft", heißt es mal, und mitunter hat es den Anschein, als solle dieses Versprechen etwas atemlos immer und immer wieder eingelöst werden. Die einzelnen Stränge sind allerdings fesselnd. Monika zum Beispiel bekommt die Chance, ein Lied für die Zwanziger-Jahre-Größe Hannelore Ley (Helen Schneider) zu schreiben, die damit beim Grand Prix de la Chanson antreten soll. Trotzdem steht Gerhardts Rolle nicht mehr so im Vordergrund wie in den ersten beiden Staffeln. Zum Ausgleich rücken nun die fast ausnahmslos in irgendeiner Form beschädigten männlichen Figuren stärker ins Zentrum, wovon vor allem Sabin Tambrea und August Wittgenstein profitieren. Die coolste Rolle hat allerdings erneut Trystan Pütter als Monikas musikalischer Partner und Exfreund Freddy, zumal seine Auftritte stets für Rock'n'Roll stehen.
Auch die politischen Zeitläufte tauchen schlaglichtartig auf: In Frankfurt werden die Auschwitz-Prozesse vorbereitet, Freddys Lokal wird verwüstet, weil er Jude ist, Kennedy bekennt "Ich bin ein Berliner", und Helga will ihrer Mutter die Zeit mit einem Fernseher vertreiben, zumal doch demnächst ein zweites Programm starte. "Als ob eines nicht genug wäre", findet Caterina Schöllack und fürchtet, dass sich ihr Gehirn durch zu viel TV-Konsum in "willenlose Puddingmasse" verwandle, während die Töchter aus der Tanzschule "ein Bumslokal" machen. Die Filme haben zwar immer noch den Schwung der ersten beiden Staffeln, aber es fehlt das gewisse Etwas. Kostüm und Ausstattung sind dagegen wieder ein Augenschmaus. tpg.
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