Old School ist nicht nur der Spitzname einer der Figuren, sondern Programm für das Remake von John Carpenters Kultklassiker "Assault - Anschlag bei Nacht" (später noch einmal unter "Das Ende" im Kino ausgewertet) von 1976. Denn der französische Regisseur Jean-Francois Richet versieht sein englischsprachiges Debüt dem Vorbild entsprechend mit einem spartanischem Look, packendem Score und dreckig-realistisch wirkender Gewalt. Weniger realitätsnah wirkt hingegen der mit gewaltigen Ungereimtheiten durchlöcherte Plot. Wer darüber hinweg sehen kann, bekommt einen brutalen B-Movie-Actionthriller mit gefälliger Besetzung geboten.
Carpenters Original um die Belagerung einer Polizeiwache durch Gangmitglieder in L.A., war erklärtermaßen ein Remake von Howard Hawks "Rio Bravo" mit Versatzstücken von Zombieklassikern wie "Die Nacht der lebenden Toten". Diesem Grundtenor bleibt auch Drehbuchautor James DeMonaco (wartet wie in "Verhandlungssache" mit etlichen guten Onelinern auf) treu, der die Action ins verschneite Detroit verlegt. Es ist Silvesterabend und die letzte Nacht für das schließende Polizeirevier im 13. Distrikt. Anwesend sind lediglich der junge Dienstleiter Jake Roenick (Ethan Hawke verstrahlt seit seinem "Training Day" mehr Autorität), der in Rente gehende Jasper (Action-Faktotum Brian Dennehy) und sexy Sekretärin Iris ("Sopranos"-Girl Drea De Matteo). Sie bekommen unerwarteten Besuch, als ein Schneesturm einen Gefangenentransportbus zu ihnen umleitet. Die Häftlinge bestehen aus dem Junkie Beck (John Leguizamo), einem weiblichen Gangmitlglied, dem kleinen Fisch Smiley (Rapper Ja Rule) und dem notorischen Unterwelt-Boss und Copkiller Marion Bishop (Laurence Fishburne hier als moralisch marode Version seines coolen "Matrix"-Morpheus). Als kurz darauf vermummte Scharfschützen Feuer auf das abgelegene Revier eröffnen, erweist sich dies nicht wie zunächst angenommen als Befreiungsaktion, sondern als Himmelfahrtskommando für Bishop.
In Abweichung vom Original handelt es sich dabei um über 30 korrupte Cops, die unter Führung von Gabriel Byrne den Strom zur Wache abstellen und sämtliche Kommunikation zur Außenwelt unterbinden. Maschinengewehrfeuer, Handgranaten und ein Hubschrauber setzen den Belagerten in der Wache schwer zu, während anliegende Großstadtbewohner taub und desinteressiert sind. Um zu überleben, beschließt Jake die Gefangenen zu bewaffnen. Eine lange, blutige Nacht steht bevor.
Hinterlist, Verrat, Selbsterhaltungstrieb, Hysterie, Todesangst und Gewissenskonflikt kommen in Ausnahmesituationen wie dieser schnell an die Oberfläche. All diese Komponenten werden straff und spannungstreibend eingesetzt. Protagonist Jake dient als zentraler emotionaler Haken, der im acht Monate zuvor angesiedelten Prolog als Undercover-Cop vorgestellt wird, dessen falsche Entscheidung seinem Team das Leben gekostet hat und der nun seine Schuldgefühle mit Alkohol und Schmerztabletten betäubt. Der Angriff zwingt ihn, Initiative zu ergreifen und die Führung zu übernehmen. Mit Bishop, der mit seiner cool-vernünftigen Art zur Sympathiefigur entwickelt wird, verbindet Jake eine Respektsbeziehung. Dank Jakes ebenfalls anwesender Psychotherapeutin (Mario Bello) wird sogar ein minimaler romantischer Subplot eingestreut. Doch letztlich geht es in diesem farbarm-verblichen bebilderten Thriller um Action - und das keinesfalls zu kurz oder zaghaft. Der Bodycount ist hoch und gnadenlos, und selbst ein Hund wird verstörender Grausamkeit ausgesetzt. Ein Großanschlag auf die Kinokassen augrund des bodenständig-schnörkellosen Retrostils ist allerdings nur bedingt zu erwarten: Dafür ist diesem Film - wie schon dem Original - Kultstatus gewiss. ara.
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