Michail Barischnikov steht fürs Ballett wie Carlos Saura für den Tanzfilm. "Bluthochzeit", "Carmen", "Flamenco". Seinen Klassikern des ambitionierten Bewegungskinos lässt er nun "Iberia" folgen.
Wie so oft bei Carlos Saura fungiert auch bei seiner jüngsten Arbeit der Flamenco als Triebfeder, Motor und "Hauptdarsteller". Musik, Bewegung und Kamera zu synchronisieren, sie eine magische Kombination eingehen zu lassen, das beschäftigt den spanischen Altmeister, Jahrgang 1932, seit Beginn der 80er Jahre. Immer weiter weg vom Narrativen des klassischen Musicals hin zum Assoziativen treibt es ihn als Filmemacher. Er probiert sich inzwischen lieber in der freien, reinen Form, wie bei "Sevillanas" oder "Salomé", wo er "ungebunden" an Personen, Bilder und Szenerien herangehen kann.
Als perfektes Beispiel hierfür steht auch sein jüngstes Werk, "Iberia", eine Hommage an seine Heimat und dessen Volkstanz. Inspirieren zu seinem ehrgeizigen Unterfangen ließ sich Saura vom spanischen Komponisten und "Klavierwunder" Isaac Albéniz (1860 - 1909), der mit seinen Stücken die verschiedenen Regionen der iberischen Halbinsel beschrieb.
So lädt der Regisseur und Drehbuchautor zu einer ausgedehnten Reise, vom nördlichen Aragón - er selbst stammt aus der Provinzhauptstadt Huesca - ins südliche Cadiz, von Granada nach Sevilla. Klassik trifft auf Moderne, wohl choreographiertes Ballett auf reine Freude an Bewegung. Die besten, populärsten Künstler Spaniens geben sich ein Stelldichein, darunter die Tänzer Sara Baras und Patrick De Bana, die Tastenvirtuosin Rosa Torres-Pardo, der Flamenco-Jazzer Chano Dominguez sowie der Sänger Enrique Morente und dessen Tochter Estrella. Nie verlässt der Film dabei Bühne, Kulisse oder Studio. Saura filmt neben Auftritten Proben und Vorbereitungen, den Prozess des Entstehens der Kunst. Ausstattung, Spiegel, Videoprojektionen, Lichteffekte und Fotografie verschmelzen virtuos miteinander - filmischer Minimalismus, reich an Details. Aus zig Mosaiksteinchen entsteht das große Tableau. Die Vielfältigkeit des Landes und seiner Bewohner wird spür- und hörbar, wenn man sich Zeit nimmt, wie Carlos Saura selbst, sich treiben, fangen und von ihm durchs künstlerisch-künstliche Spanien führen lässt. geh.
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