In einer visuell opulenten Comicverfilmung erklärt Luc Besson seine Liebe zu einer selbstbewussten Abenteurerin und familientauglichem Entertainment.
Während seine erfolgreichen Gartenzwerge, die Minimoys, mit Arthur bereits ihr drittes Abenteuer erleben, er als Produzent und Mentor actionbegabter Protegés Hollywood mit französischen Nachwuchstalenten versorgt, fand Luc Besson auch noch ein Zeitfenster für seinen verspieltesten Realfilm seit "Das fünfte Element". Zehn Bände sind von Jacques Tardis in Frankreich sehr populärer Comicreihe "Adèles ungewöhnliche Abenteuer" erschienen, zwei davon komprimierte Autor-Regisseur Besson zu seiner aufwendigen Franchise-Ouvertüre, die in jedem Bild den Beweis auch für die visuelle Schönheit der Belle Epoque anzutreten versucht.
Zwei Jahre vor dem Ausbruch des 1. Weltkriegs und dem Ende dieser Epoche ist Paris ein architektonischer Traum, in den Besson, auf den Spuren von "Die fabelhafte Welt der Amelie", mit einer Fülle von erzählerischen Details und optischen Spielereien einführt. Für zwei Geschichten ist Journalistin Adèle dabei attraktiver Knotenpunkt. In Ägypten sucht Frankreichs Antwort auf Indiana Jones, die, 1976 im Comic geboren, dieser Kultfigur des Genres eigentlich vorausgeht, die Mumie eines berühmten Arztes der antiken Nilkultur. Diese soll der Schlüssel für die Heilung ihrer geliebten Schwester sein, die seit vielen Jahren im Koma liegt. Die Wiederbelebung von Toten ist auch zentrales Motiv im zweiten Handlungsarm, als es einem schrulligen Professor gelingt, die Brut eines vor 135 Millionen Jahren ausgestorbenen und nun im Museum endgelagerten Flugsauriers schlüpfen zu lassen. Nachdem Saurier, Riesenaffen und Monsterechsen bisher neben Japan vornehmlich den amerikanischen Kontinent heimsuchten, wird nun Frankreichs Metropole zum "Jurassic Park" - jagen schusselige Polizisten den Chaos stiftenden Saurier, dessen Schicksal unmittelbar mit dem des Professors und Adèles Schwester verknüpft ist.
Nicht untypisch für Besson ist der erzählerische Ton dabei manchmal so albern wie abenteuerlich, erinnern Slapstickelemente an den Stummfilm, steht Dramatik hinter Komik zurück, weil Besson auch ein jüngeres Publikum erreichen will, das in den Figuren nicht repräsentiert ist. Viele Effekte und Fantasyelemente tragen dieser Zielvorgabe Rechnung in einem Film, der mit Louise Bourgoin ("Das Mädchen aus Monaco"), mit Ausstattungs- und Bildopulenz auch Attraktionen für Erwachsene und mit flanierenden Touristen-Mumien auch ein witziges Finale bietet. kob.
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