Was vom Tage übrig blieb: Paul Giamatti blickt als zynischer TV-Produzent auf ein abwechslungsreiches Leben zurück. Richard J. Lewis gelingt eine stimmungsvolle Tragikomödie nach Mordecai Richlers gleichnamigem Bestseller.
Barney Panofsky ist eine der großen tragikomischen Figuren der modernen Literatur, ein Geisteskind des kanadischen Erfolgsautors Mordecai Richler, den nun der ideal besetzt Paul Giamatti ("Sideways") auf der Leinwand mit Lust zum Leben erweckt. Auf drei Ehen blickt der erfolgreiche TV-Produzent - Totally Unnecessary Pictures heißt seine Firma - zurück, auf wilde Jugendjahre im Rom der 1970er Jahre. Aktuell wird ihm vorgeworfen, seinen besten Freund, den Romancier Boogie (Scott Speedman), ermordet zu haben.
Ein schillerndes, politisch inkorrektes Lästermaul ist dieser Barney, der Zigarre paffend und ewig Hochprozentiges schlürfend auf sein Leben zurück blickt. Entfesselt springt "CSI"-Routinier Richard J. Lewis durch Zeit und Raum, erzählt, wie Barney seine erste Frau Clara (Rachelle Lefevre) nach nur "30 Sekunden magischer Reibung" geschwängert hat, sich auf der Hochzeit mit der steinreichen "jewish princess", der "zweiten Mrs. P." (kratzbürstig: Minnie Driver) amüsiert, in seine besonnene dritte Frau Miriam (Rosamunde Pike) verliebt.
Als barocke Figur gefällt der sarkastische Titelheld, als ihm ebenbürtig erweist sich dessen schillernder Cop-Papa Izzy (in Spiellaune: Dustin Hoffman), der dem Sohn zur Eheschließung einen Revolver schenkt. Typische Männergespräche führen sie, Sex und Beziehungen sind ihre Leibthemen. Ein sympathischer Unsympath ist Barney, larmoyant und lebensfroh, hilfsbereit und hinterhältig, ein Mensch mit Ecken und Kanten, mit einem riesigen Appetit fürs Leben, ewig auf der Suche nach Liebe und inzwischen auf der Flucht vor dem Tod.
Zwölf Jahre hat Produzent Robert Lantos ("Tödliche Versprechen") gebraucht, um dieses aufwändige Prestige-Projekt auf die Beine zu stellen. Augenzwinkernd macht er sich übers Fernsehgeschäft lustig, ein Who's Who kanadischer Regisseure von Atom Egoyan über Ted Kotcheff bis hin zu David Cronenberg absolvieren Gastauftritte, derweilen im Rückblick in Bella Italia dem dolce vita gefrönt wird. In ein warmes Licht taucht Guy Dufaux seine Bilder, erlesen wie die Besetzung ist Claude Parés Szenenbild. Als luftig-leichte Sittenkomödie funktioniert "Barney's Version", Kriminalplot mit Überraschungsmomenten inklusive. geh.
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