Herzergreifende Adaption des Bestsellers von Haruki Murakami über erste Liebe, tödlichen Verlust und schmerzhaftes Erwachsenwerden.
"I once had a girl or should I say, she once had me", der 1965 auf dem Album "Rubber Soul" erschienene Beatles-Song "Norwegian Wood" (so der Originaltitel des Films) führt zur Katharsis und bestimmt den Ton in dieser bittersüß-zarten Geschichte von Freundschaft, Liebe, Tod und Trauer. In die späten 1960er Jahren und die Studienzeit gehen die Erinnerungen von Toru, der damals mit seinem Freund Kizuki und der hübschen Naoko die Leichtigkeit des Seins genoss. Kizukis Selbstmord wirft die Überlebenden in den harten Prozess des Erwachsenwerdens. Als der junge Mann wenige Monate später Naoko in Tokio trifft, versuchen sie, auf langen Spaziergängen das Schreckliche zu vergessen. Sie nähern sich einander an und lieben sich verzweifelt wie Ertrinkende, aber am nächsten Morgen verschwindet das Mädchen wieder aus seinem Leben. Während sie in einem Sanatorium Ruhe sucht, schreibt er ihr lange Briefe und trifft eine andere, fröhlichere Frau. Sie repräsentiert das Leben, Naoko den Tod. Irgendwann muss er sich entscheiden.
Tran Anh Hung zeichnet die Radikalität jugendlicher Gefühle, Menschen, die sich einer brennenden Sehnsucht hingeben. Der in Laos geborene und im Exil in Frankreich aufgewachsene Regisseur will mehr als einen Blick in die Vergangenheit werfen, den "Schmerz frischer Wunden aufleben lassen" und siedelte das Drehbuch deshalb in der Gegenwart an. Wie in seinen anderen Filmen ( u.a. " Der Duft der grünen Papaya", "Cyclo") umkreist er wieder die Schönheit im Leiden, die Existenz von Schönheit und Leiden nebeneinander. Diese Parallelität setzt Kameramann Ping Bin Lee in Bildern voller Sinnlichkeit um, in ein visuelles Kunstwerk. Wenn die beiden verlorenen Seelen durchs hohe Gras laufen und noch an eine Zukunft glauben, wenn Schnee und Eis einer magischen Winterlandschaft die merkliche Distanz und Sprachlosigkeit zwischen den Liebenden widerspiegelt, dann lassen die langen Einstellungen bewegende Szenen zu, gerät die Kamera in einen schwebenden Sog und nimmt mit auf eine magische Reise. "Naokos Lächeln" ist eine elegische und tieftraurige, gleichzeitig faszinierende Liebesgeschichte, die unser Innerstes aufbricht. The First Cut ist he deepest. mk.