Opulentes und Star-gespicktes Kostümdrama über die ersten Tage nach der Französischen Revolution am Hof von Versailles aus der Perspektive der königlichen Vorleserin.
"Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen", soll 1789 Königin Marie-Antoinette gesagt haben, als das hungernde Volk billiges Brot forderte. Nur wenig später revoltierte dieses Volk. In den ersten drei Tagen nach dem Sturm auf die Bastille, vom 14. bis 17. Juli 1789, spielt Benoît Jacquots opulentes Period Piece. Ihn interessieren weniger der Aufruhr in den Straßen von Paris, sondern junge Frauenfiguren und das, was hinter den Mauern von Versailles passiert. Dort läuft alles wie immer. Marie-Antoinette lutscht Bonbons und lässt sich von ihrer Zofe Sidonie Texte von Marivaux und das Neueste aus den Modemagazinen vorlesen. Launisch behandelt sie das junge Mädchen mal wie eine gute Freundin, dann wieder wie eine lästige Bedienstete. Ein emotionales Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel, das die Vorleserin nicht von ihrer Verehrung abbringt. Am Abend machen erste Gerüchte die Runde, aber die Gefahr bleibt irreal, die Domestiken feiern unbekümmert ein Fest, erst am nächsten Tag erfahren sie von den Unruhen und werden unsicher. Die verzweifelte und nervöse Marie-Antoinette will ihre Geliebte retten und ausgerechnet Sidonie soll helfen - indem sie mit der Adeligen bei der Flucht die Rollen tauscht, eine zukunftsweisende Umkehrung der Machtverhältnisse. Die Hauptperson ist die junge Vorleserin, auch wenn die "Österreicherin", wie die verhasste Marie-Antoinette abschätzig wegen ihrer Herkunft genannt wird, den kleinen Kosmos von Versailles beherrscht.
Jacquots Blick richtet sich hinter die fantastische Fassade, hinein in die dunklen Gänge, wo die Hofdamen ihre Liebesspiele treiben, tote Ratten liegen und vom baldigen Untergang künden. In einer Mischung aus Fakten und Fiktion überlagern private Histörchen die große Historie. Diane Kruger ist nicht das oberflächliche It-Girl wie in Sofia Coppolas rosa-süßem Pop-Märchen, sondern eine ambivalente, unreife und auch tyrannische Monarchin, die den Boden unter den Füßen verliert. Auf der anderen Seite der gesellschaftlichen Skala befindet sich Léa Seydoux'willensstarke junge Frau, die ihren Weg sucht und deren Identität dennoch von der aus tiefstem Herzen bewunderten Herrscherin abhängt. Die dritte Hauptrolle spielt der Prunkbau von Versailles. Jacquot ("Sade") gelingt durch die Fokussierung auf die Ereignisse im Schloss eine dramatische Zuspitzung, er vermeidet dröge Geschichtslektionen, sondern versucht, den Bogen zum Heute zu ziehen, zu einer Zeit des Umbruchs und radikalen moralischen Wandels. Atmosphäre, Ausstattung und Kostüme, dazu Seydoux' Sinnlichkeit und Unschuld machen dieses pompöse Praliné zum absoluten Schauwert-Kino. mk.
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