Von Arthur Schnitzlers "Reigen" inspirierter Blick auf moderne Beziehungen, von Fernando Meirelles nach einem Drehbuch von Peter Morgan virtuos-elegant inszeniert.
Ein Film über Zufälle, (sexuelle) Versuchung und unerwartete Freundschaften. Eine Reise rund um den Erdball mit Stationen in Wien, Paris, London, Bratislava, Rio de Janeiro, Denver und Phoenix, Arizona. Eine Kreisbewegung, der Titel "360" (Grad) verweist auf sie. Poetisch ausgedrückt ein (Liebes-)"Reigen" im Geist von Arthur Schnitzler auf dessen berühmtem Bühnenstück Fernando Meirelles' Film lose basiert. Peter Morgan, Autor brillanter und provokativer Hits wie "Der letzte König von Schottland" oder "Die Queen", bedient sich nur des Kerns dieser Vorlage, verlagert den Plot ins Hier und Heute, erzählt von (flüchtigen) Begegnungen in einer modernen, vernetzten Welt. Seine Welt ist ein globales Dorf, die endlosen Stunden, die er auf seinen Reisen in kaum zu unterscheidenden Flughäfen zugebracht hat, haben ihn nach eigener Aussage zum Skript inspiriert.
Neun Geschichten, neun "Short Cuts" mit teils überraschenden Wendungen. Ein Film, der sich keinen Stillstand, keinen Moment der Ruhe erlaubt. Die Protagonisten, deren Wege sich immer wieder kreuzen, sind ständig in Bewegung, während Adriano Goldmans ("Sin Nombre") Kamera sie hautnah umkreist. Ein einsamer Geschäftsmann (Jude Law) wird von seinem Kollegen (Moritz Bleibtreu) erpresst, als dieser herausfindet, dass er ein Rendezvous mit einem Callgirl plant. Eine verheirate Frau (Rachel Weisz) versucht, die Liaison mit ihrem jüngeren Liebhaber zu beenden, eine brasilianische Studentin (Maria Flor) beschließt, ihren Londoner Freund zu verlassen und in die Heimat zurückzukehren. Ein trockener Alkoholiker (herausragend: Anthony Hopkins) sucht nach seiner lange vermissten Tochter.
Den Oscar-nominierten Meirelles kennt man als Regisseur mit unbedingtem Stilwillen - MTV-Schnitt bei "City of God", verwegene Aufnahmewinkel bei "Der ewige Gärtner", Bildexperimente bei "Stadt der Blinden". Diesmal nimmt er sich zurück, bezieht die Beobachterposition, setzt auf suggestive Bilder - und auf schöne, gut gekleidete Menschen in gepflegtem Ambiente. Einige elegante Überblendungen erlaubt er sich, bestechend wie er die etwas aus der Mode gekommene Split-Screen-Technik einzusetzen versteht. Aller Rest ist präzise Schauspielführung und perfektes Timing. Sekundengenau werden die Schauplätze gewechselt, die Musik - populäre Songs von Tin Hat Trio, featuring Tom Waits, bis Lhasa - spiegelt immer exakt die jeweilige Stimmung wider. Eine gepflegter, intelligenter und differenzierter Befund in Sachen Liebe und Sexualität zu Beginn des 21. Jahrhunderts. geh.
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