Neurosen blühen grotesk auf, wenn ein schüchterner Single in dieser zeitgeistigen, irrwitzigen Komödie an die schrägsten Dates gerät.
Eigentlich wünscht sich der 25-jährige Student Lanzelot (Peter Weiss) nur guten Sex und ein bisschen Liebe - was er in Oliver Rihs' wahnwitziger Dating-Komödie bekommt, reicht für ein mittelschweres Trauma. Mit vielen Regie-Einfällen und einem frenetischen, zeitgeistigen Stil trotzt der Schweizer Rihs, der zuvor den anarchischen Spaß "Schwarze Schafe" realisierte, der deutschen Beziehungskomödie Skurriles ab, auch wenn er dafür wahrlich kein Klischee auslässt.
Die versammelten Alpträume der Online-Partnerbörsen sind hinter "Lanze", dem blassen Mann ohne Eigenschaften, deshalb her, weil sein exzentrisch-dreister WG-Mitbewohner Milan (Manuel Cortez) unter Lanzes Namen ein Profil angelegt hat und emsig eine Bekanntschaft nach der anderen klarmacht. Das absurde Date-Derby nimmt seinen - wie in Rihs' letztem Film episodischen - Lauf und der wenig selbstbewusste Normalo lernt zehn in Kapiteleinblendungen durchnummerierte Frauen kennen, was einer Olympiade der Freaks gleicht, die einem nichts, aber auch gar nichts erspart.
Da paradieren ungebremst nur die schwersten psychiatrischen Fälle vorbei, was an Neurosen, Manien, Sexsucht und an fettnäpfchenverzierten Reinfällen im Repertoire steht. Dabei wird jede Macke over the top durch dekliniert und Rihs weidet sich an Verklemmungen und Lächerlichkeiten, jedoch mit so viel Verve und Spaß, dass es zur Groteske gerinnt. Das alles ist flott inszeniert und lebt von der ideenreichen Regie, die dem abgegriffenen Sujet surreale Volten abgewinnt, aber auch jedes Vorurteil bestätigt. Von bissigen Schreikindern, wilden Sexfantasien aus der "Shades of Grey"-Liga bis hin zu Drogentrips und schrillen Techno-Partyvölkchen reichen die Absonderlichkeiten.
Wesentlich subtiler wird es selten, auch wenn Manuel Cortez einige farbige Momente hat und als hinreißend verhauener Kumpel die nutzlosen Tipps der Ratgeberliteratur übt. Dass Lanzes eigentliche Traumfrau die süße Kellnerin (Narges Rashidi) des Cafés ist, gehört zu den Standards, von denen "Dating Lanzelot" über die Maßen voll ist, sie aber insgesamt nett verpackt. Wenn sich das Karussell mit dem überforderten Mann dreht und Rashidi ihn mit ihrer Natürlichkeit erdet, verkündet die Dating-Komödie die übliche Message, einfach man selbst zu sein, und wird romantisch, wenn auch auf ihre Art: Mit einem Bollywood-Rap-Finale. tk.
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