Kate Winslet begibt sich als extravagant gekleidete Femme fatale in der Spaghetti-Western-Variante von Jocelyn Moorhouse in einem Provinznest auf Rachefeldzug.
Eine Frau entsteigt in einem staubigen Wüstenkaff dem Bus. Es ist Nacht, die Straße menschenleer. Sie trägt einen breitkrempigen Hut, gewienerte Pumps und... eine Singer-Nähmaschine. Erste Hinweise auf den nun folgenden verspielten Genremix. Jocelyn Moorhouse ("Ein amerikanischer Quilt") plündert sich ebenso lustvoll wie gekonnt durch die Filmgeschichte, zitiert "Dogville", "Erbarmungslos" oder auch Lasse Hallströms "Chocolat". Eine in den Fünfzigerjahren angesiedelte Rache- und Liebesgeschichte erzählt sie, ihre unkonventionelle Heldin ist eine Schneiderin: "The Dressmaker", gewohnt souverän verkörpert von "Corset Kate" Winslet.
Nach Jahren in der Fremde, unter anderem in Paris, wo sie bei der legendären Modeschöpferin Madeleine Vionnet ihr Handwerk erlernte, kehrt Myrtle "Tilly" Dunnage in ihre australische Heimat, nach Dungatar, zurück - nicht nur zur Überraschung ihrer übellaunigen, spitzzüngigen Mutter "Mad" Molly (famos: Judy Davis). Golfbälle drischt sie von ihrem auf einem Hügel gelegenen Geburtshaus Richtung Stadt, Scheiben gehen zu Bruch und auch eine Gartenfigur in Form eines Kängurus. So spricht sich wie ein Lauffeuer herum, dass die "Verrückte", die "Mörderin" wieder da ist.
Auf Rosalie Hams Debütroman fußt dieser bitterböse, bleihaltige Spaß, zu dem die Regisseurin mit P.J. Hogan ("Muriels Hochzeit") das wendungsreiche Skript schrieb. Winslet brilliert in extravaganten, farbkräftigen Outfits als Femme fatale, ist Clint Eastwood und Rita Hayworth in einer Person. Dank ihres manuellen Geschicks - Kleider machen bekanntlich Leute - gewinnt "Tilly" das Vertrauen der Kleinstädter; nur um dann eiskalt mit ihnen abzurechnen. In einen furiosen, im Wortsinn explosiven Finale, das klassisch damit endet, dass sie einen Zug besteigt und in den Sonnenuntergang fährt.
Augenzwinkernd spielt Moorhouse mit den Versatzstücken des Spaghetti-Western, David Hirschfelder ("Australia") orientiert sich mit seinem Score an Maestro Ennio Morricone und Donald McAlpine ("Moulin Rouge") arbeitet mit extremen Kameraeinstellungen - selbst das aus "Spiel mir das Lied vom Tod" bekannte, die Leinwand füllende Augenpaar fehlt nicht. Für das nötige Herzflimmern sorgt Liam Hemsworth, der im engen Rugbytrikot eine gute Figur macht und ein Maßband zum Lasso umfunktioniert, derweilen Hugo Weaving ("Matrix") als Polizist ein Faible für Federboa und extravagante Fummel entwickelt. Haute Couture trifft High Noon. geh.