Hinreißend und klug erzählte, autobiografisch gefärbte Coming-of-Age-Geschichte von Greta Gerwig, die mehrfach Oscar-nominiert wurde.
Seit seiner Premiere in Telluride und Toronto wurde Greta Gerwigs Regiedebüt hoch gehandelt - und das völlig zu Recht, auch wenn es dann am Ende doch nicht für Oscars gereicht hat, die zumindest in der einen oder anderen Kategorie (Hauptdarstellerin, Nebendarstellerin, Drehbuch) nicht unverdient gewesen wären. "Lady Bird" ist eine mit hinreißendem und klugem Humor erzählte, offenkundig autobiographisch gefärbte Geschichte eines ungelenken, schüchternen Mädchens in Sacramento, das folgenschwere Entscheidungen für den künftigen Werdegang treffen muss, während die letzten Monate in ihrer konservativen katholischen Schule wie ein Traum (manchmal Alb-, manchmal Fieber-) an ihr vorüberziehen, sie erste Erfahrungen mit Jungs macht, ersten Sex hat und für sich herausfinden muss, wer sie verdammt noch einmal ist. Eine klassische Coming-of-Age-Story, die einerseits vertraut und konventionell wirkt, aber eben ungewöhnlich und unverkennbar persönlich gemacht durch Gerwigs unverkennbare Stimme. Toll ist neben der gewohnt wunderbaren Saoirse Ronan, die nicht nur aussieht wie Greta Gerwig in dem gar nicht mal so grundlegend anders erzählten "Jahrhundertfrauen", sondern auch deren Manierismen und Sprachmuster komplett verinnerlicht hat, die viel zu selten eingesetzte Laurie Metcalf als strenge Mutter in einem Haushalt "auf der anderen Seite der Schienen". Wenn der auf 16mm gedrehte Film etwas gewöhnlich und beliebig aussieht, dann mag auch das einer kreativen Entscheidung geschuldet sein, diese schöne Geschichte im Look and Feel des amerikanischen Independentkinos der Neunziger zu verankern: Um die Figuren geht es und um ihren Weg im Leben. Und an ihnen nimmt man Anteil, vor allem wenn es zwischen Mutter und Tochter ans Eingemachte geht, in Dialogen, die direkt aus dem wahren Leben zu kommen scheinen, aber doch so smart und geschliffen sind, dass man hinter dem wahren Leben immer die steuernde Hand von Greta Gerwig sieht, die das Versprechen, das sie als neue wichtige Stimme des US-Kinos mit dem Drehbuch zu "Frances Ha" gegeben hatte, mit "Lady Bird" ganz mühelos einlöst. ts.
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