Obwohl fürs Kino produziert, wird der Survivalthriller "They Want Me Dead" mit Angelina Jolie in Deutschland ab 3. Juni 2021 bei Sky gezeigt. Gleichzeitig wird er als Premium Download zum Leihen und Kaufen erhältlich sein.
Bevor sie im Herbst als Führungsfigur in Chloé Zhaos Marvel-Extravaganz "The Eternals" ihrem Status als Göttliche diesmal buchstäblich gerecht wird, kann man Angelina Jolie erst einmal wieder handfest erleben. Es ist gar nicht so einfach, der Oscargewinnerin in ihrer ersten Hauptrolle seit "Maleficent - Mächte der Finsternis" die hemdsärmelige Feuerbekämpferin abzukaufen. Inmitten kerniger Kerle, tätowiert, muskelbepackt und unrasiert, in den unberührten Wäldern von Montana muss sie zwangsläufig wirken wie ein Fremdkörper: Zu schön ist sie, zu perfekt, zu ebenmäßig, als dass man ihr überhaupt noch eine Rolle diesseits von Fantasy- und Märchenfilmen oder als mondäne Diva einfach so abkaufen würde. Natürlich versteht man den Sog einer Rolle, in der man das Salz der Erde sein darf, eine Jederfrau, die mit dem Trauma zu kämpfen hat, dass sie bei einem Waldbrand tatenlos mitansehen musste, wie drei Kinder von den wütenden Flammen verzehrt wurden. Man muss sich also erst einmal an ihren Anblick unter Normalsterblichen gewöhnen.
Dann wiederum ist es von unschätzbarem Wert, dass die Kamera Angelina Jolie liebt wie kaum eine andere Schauspielerin auf der Welt: Man sieht diesem Survivalthriller seine zahlreichen Ungereimtheiten und Logiklöcher womöglich leichter nach, wenn man einem Superstar von Jolies Statur zusehen kann. Ein bisschen mehr als die eher kunstlos zusammengeschusterte und bizarr gewalttätige Handlung hätte man sich gerade von Taylor Sheridan schon erwartet, der mit der von ihm verfassten Amerika-Trilogie "Sicario", "Hell or High Water" und "Wind River" (hier führte er erstmals auch Regie) auf sich aufmerksam gemacht hatte als einer der interessantesten jungen amerikanischen Drehbuchautoren: ein Mann, der Geschichten nicht nur geschickt und mit klugen Kniffen erzählt, sondern auch ein besonderes Gespür hat für wahrhaftige Figuren aus dem Hinterland und deren Sorgen und Nöte. Hier ist die Höhe der Gewitztheit, dass der Film in Montana spielt und seine Heldin Hannah heißt. Sehr lustig.
Zwei Auftragskiller sind einem Forensikexperten auf der Spur, der ihren Auftraggeber ans Messer liefern könnte. Der flieht mit seinem Sohn Connor von Florida nach Montana in jenes Waldgebiet, wo Hannah auf einem einsamen Aussichtsturm ihre Todessehnsucht in Zaum zu halten versucht. Allerdings warten die Killer, gespielt von Aidan Gillen und Nicholas Hoult, als wären sie die neuesten humanoiden Modelle des Terminator höchstpersönlich, unaufhaltsam und regelrecht unzerstörbar, schon auf Vater und Sohn. Zur Ablenkung legen die Killer einen verheerenden Waldbrand, den man überall sehen kann, nur offenbar nicht von dem Aussichtsturm, auf dem Hannah Wache schiebt, während dem Jungen die Flucht in die Wildnis gelingt, wo er Zuflucht bei Hannah findet. Inmitten des flammenden Infernos kommt es zum entscheidenden Überlebenskampf. Visuell entfaltet "They Want Me Dead" im Showdown die nötige Kinowucht. Und wirkt doch gebremst, gehemmt. Vielleicht weil die sadistische Gewalt, die Nicholas Hoult auf Angelina Jolie niederfahren lässt, mehr ist, als man sehen und ertragen will. Vielleicht aber auch, weil man gerne mit den Figuren fiebern würde, der Film es aber verpasst hat, sie in einer Weise zu Leben zu erwecken, dass sie als mehr erscheinen als bloße Schachfiguren, die willkürlich auf dem Brett hin und her bewegt werden. Das wird insbesondere den tollen Schauspielern nicht gerecht. Und der Göttlichen schon zweimal nicht. Wir werden auf "The Eternals" warten müssen und "They Want Me Dead" bis dahin eine zweite Chance geben.
Thomas Schultze.
Mehr Informationen über
Marvel findest du in unserer Themenwelt
Hersteller: Universal Pictures Germany, Herriotstraße 6 - 8, Frankfurt, 60528, info@upig.de