Im Gefolge der recht erfolgreichen Indien-Produktion "Monsoon Wedding" und der weit unter Wert geschlagenen Parodie "Der Super-Guru" zielt nun die in Kanada lebende Inderin Deepa Mehta mit ihrem aktuellen Werk auf ein breites internationales Publikum. Da sich die Filmemacherin jedoch für eine Persiflage zu wenig von Bollywood-Vorbildern löst und für ein typisches Masala Movie nicht genug Kitsch und Glamour bietet, hängt die Komödie etwas zwischen den kulturellen Stühlen. Hiesige Sehgewohnheiten und das für Europäer eher irrelevante Thema werden der handwerklich sauber umgesetzten Produktion wohl nicht mehr als ein ehrbares Einspielergebnis bescheren.
Als Madonna sich vor Jahren mit Henna-Bemalung und Glückskettchen fotografieren ließ, überschwemmten Händler daraufhin Deutschlands Fußgängerzonen mit billigem Indien-Tand. Dem Modeschmuck folgten bedruckte Taschen und derzeit sind asiatisch inspirierte Batikblusen wieder salonfähig. Doch was der Mode scheinbar mühelos gelingt, nämlich der Einstieg in den deutschen Markt, blieb dem indischen Kino bislang verwehrt. Nur wenige Deutsche zeigen sich bereit, drei Stunden und mehr im Kino auszuharren, um mehr über die gesellschaftlichen Probleme eines exotischen Landes zu erfahren und zahlreiche gewöhnungsbedürftige Musicalnummern zu durchstehen. Doch ohne Gesang und Tanz kein Bollywood-Kino, das weiß auch Deepa Mehta, die nach ihren beiden anspruchsvollen Arthouse-Produktionen "Camilla" (1994) und "Fire - Wenn Liebe Feuer fängt" (1996) nun mit "Bollywood/Hollywood" ihr Glück in hiesigen Lichtspielhäusern versucht. Dankenswerterweise beließ die Regisseurin es bei 103 Minuten Spielzeit, so dass zumindest die erste Hürde für den europäischen Mark genommen scheint. Bei der Handlung machte sie jedoch keine Kompromisse - die bleibt Bollywood pur.
Die weiße Freundin des wohlhabenden, in Toronto lebenden Inders Rahul (Rahul Khanna) kommt bei einem missglückten Esoteriktrip (!) ums Leben. Daraufhin zwingt ihn seine Mutter, unterstützt von der resoluten Oma (wunderbar: Bollywood-Heroine Dina Pathak), bis zur anstehenden Eheschließung seiner schwangeren Schwester Twinky (Rishma Malik) eine indische Gattin zu präsentieren. Sollte ihm dies nicht gelingen, würde sie kurzerhand Twinkys Hochzeit platzen lassen. Da lernt der verzweifelte Rahul in einer Bar die attraktive, vermeintliche Hostess Sue (Lisa Ray) kennen, die ihrem Aussehen nach aus Ost-Indien stammen könnte.
Der Regisseurin und Drehbuchautorin Deepa Mehta stand der Sinn hier eindeutig nach einer augenzwinkernden Persiflage auf die beliebten Bollywood-Schinken. Und genau hierin fußt auch das eigentliche Problem des Werks, denn witzig gemeinte Bildunterschriften, Anspielungen auf indische Stars und Traditionen sowie die Verulkung der ehernen Regeln des Bombay-Kinos treffen hierzulande mangels Vorwissen meist ins Leere. Dass manche Einstellungen zudem - fälschlicherweise, weil so gewollt - den Anschein hastig produzierter Fernsehware erwecken und der ehemalige MTV-Asia-VJ Rahul Khanna in unseren Breiten keinen Star-Status besitzt, trägt auch nicht gerade zur Massenkompatibilität bei. Bleiben auf der Habenseite das schnippische, peppige Ex-Model Lisa Ray, dem auch die hölzernsten Dialoge flott über die Lippen gehen, und die sauber inszenierten Musical-Nummern, die insgesamt aber leider zu kurz ausfallen.
Alles in allem bleibt die ambitioniert geplante Beziehungskomödie jedoch leider im dramaturgischen wie visuellen Mittelmaß stecken. Einzig Ritu Kumars indische Kostüme lassen den Zuschauer etwas von dem Glamour und der Opulenz der Bollywood-Vorbilder erahnen - es gilt also weiter auf den ultimativen Hollywood-Meets-Bollywood-Mix zu warten. geh.
Hersteller: Universum Film, Neumarkter Str. 28, München, 81673, info@universumfilm.de