Der Filmtitel provoziert. Doch dahinter versteckt sich ein poetisch-bewegendes Jugenddrama über erste Liebe, Entdeckung der Sexualität, Lust auf Leben und Angst vor dem Tod. Denn der 16jährige Protagonist hütet ein Geheimnis: Als Kind infizierte er sich durch eine Bluttransfusion mit dem HIV-Virus.
Mit 17 hat man noch Träume sang Alt-Barde Udo Jürgens einst inbrünstig. Doch Jan ist erst 16 und hat seine Träume schon längst aufgegeben, weiß er doch nicht einmal, ob er in einem Jahr noch lebt. Seine Mutter kocht zur Unterstützung seiner "Körperpolizisten" gesunde Mahlzeiten, der Vater flüchtet sich in belanglose Sätze, die erstickende Atmosphäre drückt aufs Gemüt. Manchmal möchte der Junge raus aus dem Korsett von Freundlichkeit und Verständnis, verzweifelt pinnt er einen Zettel an die Wand "Alles hat man herausgefunden, nur nicht wie man lebt". Das wahre Leben lernt er durch die forsche Nina kennen. Erst nietet sie ihn mit ihren Inline Skates versehentlich um, beim zweiten Treffen überlebt sein Fisch in der Plastiktüte nicht den Zusammenstoß. Und über die Frage "Ficken Fische eigentlich" kommt das Duo sich näher. Almut Getto inszeniert nicht einen dieser elend langweiligen Teenie-Plotten, sondern eine zarte Liebesgeschichte zwischen zwei jugendlichen Außenseitern und vergisst dabei auch die nötige Portion Humor und Poesie nicht. "Fickende Fische" ist kein Aids-Film, sondern eine äußerst sensible Betrachtung scheuer Annäherung und starker Gefühle. Wie schon in ihrem Kurzfilm "Spots & Stripes" geht es um Randfiguren, die ihren Platz suchen: Nina leidet unter dem Vakuum in der Rumpffamilie (die Mutter setzte sich nach Afrika ab), Jan flüchtet sich in die stille Unterwasserwelt der Fische. Gemeinsam brechen sie aus dem Alltag aus und genießen für einen kurzen Moment die Leichtigkeit des Seins, tauchen ein in ein kleines, nasses Paradies voller Fische, das nur ihnen gehört. Doch als Sex ins Spiel kommt, reagiert Jan hilflos, verletzt durch seine schroffe Abweisung das Mädchen zutiefst. Trotz des ernsten Themas gleitet diese bezaubernde Love-Story nie in Larmoyanz ab, sondern macht - nicht nur Pubertierenden - Mut zur Zärtlichkeit und Rigorosität. Den beiden unverbrauchten und überzeugenden Hauptdarstellern Tino Mewes und Sophie Rogall möchte man endlos lange zusehen. Und wenn Jan sagt, es sei beschissen, auf den Tod zu warten und Nina feststellt, es sei genau so beschissen, auf das Leben zu warten, spürt man einen kleinen Kloß im Hals. "Fickende Fische" wurde beim Max-Ophüls Festival ausgezeichnet und gewann auf dem FilmKunstFest Schwerin den Publikumspreis. Jugendliche sollten diesen ehrlichen, emotional spannenden und manchmal märchenhaften Film lieben, kommt er doch ihren Sehnsüchten sehr nahe. mk.
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