Schlicht animierte, aber umso origineller erzählte und mit einem eingängigen Disco-Soundtrack unterlegte Außenseiter-Story um einen Regenwurm, der musikalisch ganz nach oben will.
Nachdem wir von den großen US-Studios mit animierten Insekten aller Art - ob in "Antz", "Das große Krabbeln" oder "Bee Movie - Das Honigkomplott" - verwöhnt wurden, zieht nun das europäische Kino nach. Dabei tritt der frühere Special-Effects-Supervisor und aus Kopenhagen stammende Thomas Borch Nielsen in seiner deutsch-dänischen Koproduktion den Beweis an, dass es nicht unbedingt eine Frage des Budgets ist, will man eine originelle Geschichte erzählen, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen fasziniert. Zwar kann die Animation in Sachen Detailverliebtheit, Farbvielfalt und Mehrdimensionalität keinesfalls mit Pixar und Co. mithalten, dafür ist der Plot von "Sunshine Barry und die Discowürmer" - der Titel lässt es schon erahnen - so abstrus, dass er schon wieder neugierig macht. Im Zentrum des Geschehens: Barry, ein todunglücklicher Regenwurm, der sich nicht damit abfinden will, als letztes Glied in der Nahrungskette lediglich herumkriechen und Dreck fressen zu können. Deshalb schlägt er eine Karriere im mittleren Kompostier-Management in den Wind und gründet stattdessen eine Band - ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus einem abgehalfterten Rockgitarristen, der heimlich auf Village People steht, einer talentlosen Leadsängerin, die wie einst Oskar Matzerath Glas zum Bersten bringen kann, und Barrys dickstem (in beiderlei Hinsicht) Kumpel Tito, der immer nur ans Fressen denkt. Allen in der übrigen Insektenwelt gehegten Vorurteilen, dass Regenwürmer nicht besonders musikalisch und schon gar nicht funky sind, zum Trotz schaffen sie es bis zum Musik-Wettbewerb eines TV-Senders, den sie zwar nicht gewinnen, wohl aber die Herzen der Zuhörer.
Die anrührende Story um einen Außenseiter, der sich nach Anerkennung und Respekt sehnt und dafür auch zu kämpfen bereit ist, wird von einem großartigen Soundtrack mit Gloria Gaynors "I Will Survive", "Blame it on the Boogie" von den Jackson 5 oder "Upside Down" von Diana Ross begleitet, womit der Begriff "Ohrwurm" eine völlig neue Bedeutung bekommt. Während sich zudem die Älteren über Anspielungen wie "Schlammloch 54" oder kafkaesk anmutende Kompostier-Büroeinheiten und eine Himbeere, die auf Barrys Regenwurm-Kopf zur Afrolook-Perücke wird, amüsieren, lachen und staunen die Jüngeren über Wortverdreher oder die abenteuerliche Flucht vor einem Angler, der die kleinen Kriecher als lebende Köder den Fischen zum Fraß vorwerfen will. Ein Sonderlob hat die deutsche Synchronisation verdient. Alle Schlüsselfiguren sind stimmlich treffend besetzt, allen voran der unverwüstliche Roberto Blanco als arroganter Schlager-Star-Käfer Tony Dean, der ohne Playback aufgeschmissen ist, und Hella von Sinnen als gestrenge Kompost-Bauleiterin Donna, die sich als passionierte Disco-Queen entpuppt. So verlässt man am Ende sehr beschwingt und positiv überrascht den Kinosaal und fragt sich verwundert, wie es die Animationskünstler geschafft haben, Regenwürmer auf der Leinwand derart spektakulär zum Grooven zu bringen. lasso.