Aufwändige europäische Computeranimationsproduktion, die sich an das Erfolgsrezept der "Ice Age"-Filme hält, aber viel eigenen Charme, Witz und Esprit entwickelt.
Kaum haben sich Kind und Kegel von der dritten Eiszeit erholt, da geht es im Kino auch schon winterlich weiter. Doch "Niko, ein Rentier hebt ab" hat nicht nur das frostige Klima mit "Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los" gemein, in Sachen Action und Figurenkonstellation findet man ebenfalls Parallelen zu Hollywoods Animations-Überflieger der Saison. So wird auch bei der finnisch-deutsch-dänisch-irischen Koproduktion die eine oder andere Schneelawine los getreten und auf Eisplatten munter drauf losgesurft. Außerdem gibt es drei Hauptcharaktere - statt Mammut, Faultier und Säbelzahntiger sind dies im aktuellen Fall ein Wiesel, ein Flughörnchen und der titelgebende Rentierjunge Niko.
Letzterer träumt davon, fliegen zu können. Wie sein Vater, den er nie kennen gelernt hat, von dem er aber weiß, dass er zu jener magischen Truppe gehört, die den Schlitten des Weihnachtsmannes durch die Lüfte zieht. Als einer seiner Flugversuche mal wieder gründlich in die Hose geht und Niko so erneut zum Gespött der ganzen Herde wird, nimmt er Reißaus und macht sich zusammen mit seinem väterlichen Kumpel, dem Flughörnchen Julius, auf ins Land des Weihnachtsmannes. Dabei treffen die beiden nicht nur auf die beredte Wieseldame Wilma, sie müssen sich auf ihrer weiteren Reise zu dritt auch noch mit einem Rudel mindestens so hungriger wie hinterlistiger Wölfe herumschlagen. Doch weil Niko Mut besitzt, einen eisernen Willen und gute Freunde hat, schafft er es tatsächlich bis ins gelobte Land. Jetzt muss er nur noch seinen Vater finden und fliegen lernen. Nichts leichter als das.
Auch wenn das computeranimierte, winterlich-weihnachtlich angehauchte Märchen des Regie-Duos Michael Hegner ("Hilfe! Ich bin ein Fisch!") und Kari Juusonen, einem finnischen Spezialisten für Puppenanimation, eines der teuersten europäischen Produktionen dieser Art ist, so kann es in Sachen Farbgebung, Bewegungsabläufe und 3D-Anmutung nicht ganz mit der hoch-budgetierten Konkurrenz von Pixar. Dreamworks und Co. mithalten. Dieses kleine Manko wird aber durch Charme und Sympathie, Wortwitz und Esprit mehr als wett gemacht. Zwar fletschen die Wölfe ein paar Mal zu oft die Zähne und werden deshalb die furchtsamen Erstkinogänger wohl zu sehr verschrecken, dafür ist der Vorschlag eines gemäßigten Raubtieres, man könne es doch mal als Vegetarier versuchen und Moos fressen, mindestens einen Lacher wert. Hinzu kommen eine Barbara Schöneberger als Wiesel Wilma in stimmlicher Höchstform (sie gibt zum Abspann auch eine schöne wie eigenwillige Variation der Weihnachtsschnulze "Jingle Bells" zum Besten), komische Anspielungen, etwa auf Bully Herbigs "Mopsgeschwindigkeit" aus "(T)Raumschiff Surprise - Periode 1", die hier zur "Weihnachtsgeschwindigkeit" wird, und ein paar deftige Rülpser der fliegenden Rentier-Rüpel, die gerade bei den Kleinen gut ankommen werden. Weil der Mix aus Komödie und Action (der Stunt auf dem Baumstamm am Wasserfall ist sehenswert) auch noch ein wenig über Freundschaft, Einsamkeit und den Glauben an sich selbst räsoniert, hat er neben einem pädagogisch besonders wertvollen Prädikat auch noch jede Menge Zuschauer verdient. Was trotz diverser Auszeichnungen (u.a. mit den "finnischen Oscars") nicht ganz leicht sein dürfte. Schließlich liegt "Niko" hierzulande keiner eingeführten Marke (siehe Laura, Lilli, Lillifee, Felix oder Mondbär) zu Grunde und ist voll und ganz auf Mundpropaganda angewiesen. lasso.
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