Natur pur: Mit wahrer Entdeckerlust feiert die beeindruckende Doku Russlands unentdeckte Wildnis, die sich als wahrer Garten Eden erweist.
Es sind diverse Superlative, die sich in Jörn Rövers grandiosem Naturdokument versammeln: In dreieinhalbjähriger Produktionszeit filmten sechs Teams in sechs Regionen, um in den unendlichen Weiten des größten Landes der Erde die schönsten Momente von Flora und Fauna abzulichten. Von Kamtschatka im äußersten Osten bis zum höchsten europäischen Gebirge, dem Kaukasus, über Ural, Baikalsee und Arktis wieder zurück zur nordpazifischen Halbinsel reicht die Reise, die in abwechslungsreichen Episoden Leben und Überleben der Natur einfängt, ohne irgendwo (zu) lange zu verweilen. Ein hoher Aufwand, der sich gelohnt hat und fast alle Klimazonen und Lebensräume umfasst.
So entstand aus der NDR-Fernsehserie "Wildes Russland" ein bildgewaltiger Kinofilm, der ein berauschendes Erlebnis für die Sinne bietet. Siegfried Rauch ("Das Traumschiff") fungiert als Kommentator, der zwischen imposanten Landschaftspanoramen und detaillierten Tieraufnahmen kenntnisreich informiert. Stilistisch ist das weitgehend ans Prime-Time-Programm angelehnt, verfügt aber über brillante Kinobilder, bei denen man bedauert, sie nicht in 3D sehen zu dürfen. Neben der - sanften bis hymnischen - orchestralen Musik von Kolja Erdmann, der bereits die TV-Serie intonierte und hier folkloristische und chorale Elemente verarbeitet, ist es das Auge fürs Detail und der Sinn für Geräusche, die die Produktion definieren.
Man hört die mitunter erstmals gefilmten, seltenen Tiere wie Steinauerhahn, Wassermaulwurf, Baikalrobbe, Amur-Tiger oder Bergwisent kauen, schnaufen, schmatzen und sonstige Laute von sich geben. Dazu kommt der Sound der zischend heißen Erde der Geysirweiden oder das Knallen platzender, schockgefrorener Bäume. Der faszinierende Bilderbogen archaischer Naturgewalten mit all seinen Lichtstimmungen animiert wahlweise zum Staunen, Mitfiebern, Schmunzeln - und vor allem Liebhaben. Entzückende Eindrücke von Balz und Nachwuchs wechseln sich mit Zeitlupenstudien von Jagd und Duellen ab. Denn verniedlicht wird hier nichts und mystisch aufgeladene Erzählungen haben Rövers und Mix ebenfalls nicht nötig in ihrer wunderbaren Kollektion der Sehenswürdigkeiten, die unser Planet zu bieten hat. tk.