In Jake Scotts verhalten und unsentimental erzähltem Drama findet "Twilight"-Star Kristen Stewart erneut eine Zweitfamilie.
Pubertierende Tochter, Seitensprung, Strip-Club als Zerstreuungsoption - in den Bauteilen des Plots scheint James Gandolfini wieder im Soprano-Country gelandet zu sein. Und doch markiert die Rolle von Doug Riley einen Neubeginn, ist seine sanfteste und sympathischste überhaupt. Mittfünfziger Doug hat eine Affäre mit einer Kellnerin, aber diese ist nur Auszeit von einer Ehe, die nach 30 Jahren Harmonie durch eine Tragödie in Schweigen erstarrt ist. Seit dem Tod der Tochter hat Lois Riley (Chamäleon Melissa Leo, nach "The Fighter" kaum wiederzuerkennen) ihr Haus nicht verlassen. Das Schild am Eingang, das Besucher bei den Rileys willkommen heißt, ist Mahnmal an glücklichere Zeiten, als wollte der Tod über die Ohnmacht der Menschen spotten. Verzweiflung ist ein wichtiger emotionaler Aggregatszustand im Drehbuch Ken Hixons. Drei Hauptfiguren leben mit ihr, werden aber nicht von ihr dominiert, denn "Willkommen bei den Rileys" ist ein Film des Aufbruchs. Der Impuls dafür kommt aus New Orleans, einer Stadt, für die er selbst existenziell ist. Hier lernt Doug in einem Stripclub die minderjährige Mallory (Kristen Stewart) kennen, die es in der Regel nicht beim Lapdance belässt, um sich durchzuschlagen. Dass Doug nicht aus sexuellen Motiven ihre Nähe sucht, ist für Mallory, nicht aber den Zuschauer ein Mysterium, der spürt, dass Doug in ihr die verlorene Tochter sieht, die seine Hilfe braucht - wie er die ihre.
In dieser Beziehung findet dieses Familiendrama, mit dem Jake Scott zwölf Jahre nach "Plunkett & Macleane" ins Spielfilmgeschäft zurückkehrt, trotz des tragischen Hintergrunds seinen Humor. Scott entwickelt diese Dynamik bedächtig, zeigt wie die Ausreißerin zum Katalysator einer Heilung wird - auch für sie selbst. Sehr tief geht das Drama dabei nie, wirkt auch etwas märchenhaft im Aufbau dieser alternativen Kleinfamilie, zu der auch Dougs Ehefrau stoßen wird. Doch Scotts Film hat Stärken als leiser Beobachter, kann das Kichern von Teens im Diner schmerzlich machen, ohne dabei Ausrufezeichen zu setzen. Diese Zurückhaltung, die sich auch in einem sentimentalitätsreduzierten Ton niederschlägt, erleichtert auch jüngeren Zuschauern den Zugang zu einem Thema, dem sie sich, wäre es mit dramatischer Betonschwere serviert, vielleicht nicht stellen würden. "Twilight"-Idol Kristen Stewart mit Fragilität und provokanter Sexualrhetorik bietet starke Sympathieanreize - und auch Gandolfini und Leo liefern gute Gründe, die Rileys willkommen zu heißen. kob.
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