In Bernd Boehlichs sympathischen Senioren-Spaß läuft die in Ehren ergraute Darsteller-Riege um Angelica Domröse und Otto Sander zu absoluter Höchstform auf.
Renommierte Regisseure wie Andreas Dresen ("Wolke 9") oder Leander Haußmann ("Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!") haben mit ihren Werken dem demographischen Wandel in Deutschland bereits Tribut gezollt. Jetzt bringt Bernd Boehlich, Experte für warmherzige Komödien, wieder frischen Wind in das Subgenre Seniorenfilm. "Bis zum Horizont, dann links!" beginnt da, wo die meisten Menschen fortgeschrittenen Semesters auf keinen Fall enden wollen, im Altersheim. "Abendstern" nennt sich das Etablissement vollmundig, und auch wenn es dort in Gestalt der vollbusigen Schwester Amelie (Anna Maria Mühe) einen echten Hingucker gibt, besteht der Alltag doch größtenteils aus Langeweile - sieht man mal von der unvermeidlichen Gymnastikstunde und den drögen Lesenachmittagen ab.
Kaum hat Boehlich seine Charaktere etabliert - darunter Otto Sander als mürrisch-melancholischer Tiedgen und DEFA-Ikone Angelica Domröse als nicht minder verbitterte, von ihrer Familie regelrecht abgeschobene Annegret Simon - drückt er auch schon mächtig auf die Tube. Indem er seinen Protagonisten Tiedgen zum Flugzeugentführer mutieren lässt, wird aus einem harmlosen Rundflug mit einer alten Propellermaschine mit einem Mal eine abenteuerliche Reise in ferne Gefilde, auf der die Passagiere regelrecht dazu gezwungen werden, ihr bisheriges Leben zu überdenken. Und je mehr diese dabei ihre Lebensfreude wieder entdecken, desto mehr öffnet sich der Film, die Kamera verlässt die Enge des Pflegeheims und schwelgt schließlich in Panoramaaufnahmen von Alpen und mediterranen Landschaften.
Dass zum Schluss das Meer zum Ziel aller Träume wird, ist nicht unbedingt neu, siehe "Knockin' on Heaven's Door" oder "Vincent will meer", dass es jedoch ausgerechnet eine griechische Insel ist, auf der die Alten stranden, ist eine kleine aktuelle Polit-Pikanterie am Rande. Sieht man evon einigen Ungereimtheiten (ein Zehn-Liter-Kanister soll für den Rückflug reichen) und dem allzu abrupten Ende ab, ist Böhlichs Film ein echter (Senioren)Spaß, der mit klassischen Gebissvertauschnummern ebenso aufwartet wie mit makabrem Humor (so sagt ein Greis vor dem Rundflug: "Hätte nicht gedacht, dass ich so schnell in de Himmel komme") und vor allem erstklassigen Schauspielern, zu denen neben den bereits erwähnten noch Ralf Wolter als tollpatschig-verliebter Gockel und Herbert Feuerstein als penetrant nörgelnder Miesbach, der seinem Namen alle Ehre macht, zählen. lasso.
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