Ehrliches Drama, in dem die Rollenverteilung in einer Familie ins Wanken gerät, als der Hausmann und Daddy in seinen Beruf als Theaterregisseur zurückkehren will.
Traditionelle Rollenbilder verblassen, alles ist möglich. Diese von Politikern gerne als modern propagiertes Schema füllen Konrad und Christine ideal aus. Sie arbeitet als Anästhesistin, er kümmert sich liebevoll um die Kids (Christiane Paul, Charly Hübner). Beide sind happy, so scheint es. Bis der Theaterregisseur endlich wieder ein Angebot bekommt. Diese wahrscheinlich letzte Chance will er ergreifen. Nur: einer muss Verantwortung zu Hause übernehmen. Was liegt näher, als ein au-pair-Mädchen anzustellen. Leider ist die Argentinierin schwanger und braucht Ruhe. Genau die fehlt nun bald im Haushalt, denn Mutter muss in die Klinik und will ihre Karriere vorantreiben, Vater muss ins Theater, um die bisher brach liegende Karriere überhaupt noch in die Gänge zu kriegen. Konflikte und Eifersüchteleien bleiben nicht aus, wenn beide berufliche Selbstverwirklichung anstreben. Dadurch, dass die beiden Töchter, zehn und fünf Jahre alt, wenig Verständnis zeigen, gerät auch die Beziehung auf den Prüfstand.
200000 Milliarden Euro stehen Familien in Deutschland jährlich von staatlicher Seite zur Verfügung von der Herdprämie bis zum Kindergeld. Ein hübsches Sümmchen, mehr als in jedem anderen EU-Land. Trotzdem fehlt die Lust auf Kinder. Warum, das zeigt Robert Thalheim über den Zeitraum einer Woche hinweg mal humorvoll, mal traurig, aber immer realistisch, auch wenn die Geschichte um das au-pair-girl etwas überspitzt wirkt. Die eingefahrenen Geschlechterrollen geraten ins Wanken, lang Verdrängtes wird offenbar, wenn der Hausmann auch auf berufliche Anerkennung pocht, die arrivierte Gattin durchklingen lässt, dass sie in den letzten Jahren das Geld für die Familie verdient hat. Das Sich-Einrichten der "Eltern" im status quo versagt, es dominieren persönliche Prioritäten. Thalheim verleiht keine Verhaltensnoten oder nimmt Partei in diesem turbulenten Chaos, sondern überlässt die Sympathie-Verteilung dem Zuschauer. Dabei achtet er auf kleine Details wie die Trauer der Mädels um den toten Hamster, die Unsicherheit des Regisseurs bei den Nibelungen-Proben, das Unverständnis von Christines Chef, wenn sie sich aus familiären Gründen ein paar Tage freinehmen will. Fazit: Familie ist gut, darf aber nicht stören. Ein Stück unbequeme Wirklichkeit. mk.
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