Musical, Liebes- und Selbstfindungsgeschichte - John Carney erzählt frisch, flott und authentisch von der Schwierigkeit, Liebe und Karriere in Einklang zu bringen.
"Can a Song Save Your Life?" fragt der irische Filmemacher John Carney, der mit "Once" (2006) einen Überraschungshit landete - gekrönt mit einem Oscar für den Besten Filmsong. Die Antwort lautet schlicht "Ja!" - nicht nur für die beiden vorzüglich harmonierenden Hauptdarsteller Keira Knightley und Mark Ruffalo, sondern auch für alle Kinogänger, die bereits aufgegeben haben zu glauben, dass es noch anrührende (Liebes-)Geschichten gibt, bei den sich nicht plump Herz auf Schmerz reimt.
Was freilich nicht heißt, dass hier nicht auch geweint wird - ganz im Gegenteil - und gewiss auch im Publikum. Denn Greta (Knightley), das Englishgirl in New York, wird von ihrer Jugendliebe, ihrem Singer/Songerwriter-Partner Dave (Adam Levine von Maroon 5) schnöde hintergangen. Einen Super-Plattendeal hat er gelandet - Rockstar-Allüren und Asia-Groupie folgen. Nur noch zurück nach Hause will Greta, die den letzten Abend in einem East Village Club verbringt. Einen selbstkomponierten Song gibt sie im Laufe der Open-Mike-Night zum Besten - und der abgetakelte, zufällig anwesende Indie-Label-Produzent Dan (Ruffalo) weiß, dass er gerade einen potentiellen Hit gehört hat.
"Can a Song Save Your Life?" ist ein Märchen, zig Mal erzählt, aber seit Langem nicht so frisch und flott wie hier. Als Art Musical legt der gelernte Bassist Carney - er spielte Anfang der 1990er bei der Rockband The Frames - seinen Film an, sein Handwerk, das er sich als Videoclip-Regisseur angeeignete, kommt voll zum Tragen. Geschickt baut er nach eigenem Drehbuch die Songs in den Plot ein, erzählt wie Greta und der von seiner bodenständigen Frau (gewohnt gut: Catherine Keener) und orientierungslosen Teen-Tochter (Hailee Steinfeld) entfremdete Dan wieder Boden unter die Füße bekommen.
Um die Schwierigkeiten in Sachen Liebe und Beziehung geht es, um die veränderten Bedingungen im Musikgeschäft, bei dem die Promotion längst wichtiger ist als das Produkt. Leise Kritik übt Carney diesbezüglich, überträgt aber gleichzeitig den populären Hip-Hoppern Mos Def und CeeLo Green kleine aber gewichtige Music-Biz-Nebenrollen. Dies trägt maßgeblich zur Authentizität des Films bei, wie auch das Setting im Big Apple, dessen Bars, Lofts und Straßen den unaufdringlichem Naturalismus dieses "Summer in the City" unterstreichen. Locker, leicht und schwebend ist die von der hinreißenden Knightley - sie ersetzte Scarlett Johansson - getragene Produktion, die bis hin zum Happy End geschickt sämtliche Klischees und Stereotypen klug meidet. geh.