Eine Glanzleistung von Nicole Kidman dominiert Rowan Joffes Psychothriller über eine Frau ohne Erinnerungen.
Als wäre Christopher Nolans Meisterstück "Memento" als Folge einer kollektiven anterograden Amnesie selbst schon vergessen, bildet letzteres neurologisches Phänomen erneut das dramaturgische Rückgrat eines Thrillers. Das diese relativ werkgetreue Adaption eines 2011 veröffentlichten Bestsellers von Steve J. Watson in Erinnerung bleibt, ist dabei vor allem ein Verdienst der beiden Hauptdarsteller, die eine etwas verwegen konstruierte Mystery-Story in Spannung halten.
Jeden Morgen erwacht Christine (Kidman) in einem Zustand totaler Desorientierung. Sie weiß nicht, wer sie und der Mann in ihrem Bett sind, wo sie sich gerade befindet und warum sie glaubt, Ende 20 zu sein, obwohl sie im Spiegel das Bild einer Vierzigjährigen sieht. Jeden Morgen erklärt Ben (Colin Firth), dass er ihr Ehemann sei, sie aufgrund eines Unfalls unter Amnesie leide und durch den Schlaf jede Nacht wieder alles vergessen würde, war er ihr am Tage in Erinnerung gerufen hatte. Und jeden Morgen erhält Christine den Anruf eines Neuropsychologen (Mark Strong), der vorgibt, mit ihr an der Wiederherstellung ihres Gedächtnisses zu arbeiten, sie dafür ein Videotagebuch führen und dieses, wie auch ihre Zusammenarbeit mit ihm, vor ihrem Mann verbergen müsse.
Christines dadurch forciertes Misstrauen gegenüber ihrem Mann und sporadisch auftretende Erinnerungsfetzen, die entschlüsselt werden müssen, werden zum Motor eines Puzzleplots, der mit den Erwartungen des Zuschauers spielt und diesen mit neuen Enthüllungen aus der Vorgeschichte der Protagonistin konfrontiert. Überraschungseffekte sind damit garantiert, aber auch begleitende Fragen nach Plausibilität, die das Verhalten einiger Figuren, aber auch der situative Kontext aufwerfen. Christines Mobilität, die Möglichkeit, ihr Anwesen in der Nähe von London nach Belieben verlassen und damit auch grundlegende Sachverhalte, etwa durch die Polizei, verifizieren zu können, ist dabei ein dramaturgischer Störfaktor. Das allerdings nur für skeptische Zuschauer, die sich in diesem klaustrophobischen, mit vielen Nahaufnahmen operierenden Psychothriller von Rowan Joffe ("Brighton Rock") nicht von Kidmans emotional intensiver Darstellung völlig den Kopf verdrehen lassen. kob.