Mit "Stromberg" Christoph Maria Herbst als Flaggschiff leistet Züli Aladag mit diesem harmlosen Gute-Laune-Film seinen Beitrag zum Aufeinanderprallen deutsch-türkischer Kulturen.
Grimme-Preisträger Züli Aladag ("Wut") interessiert sich in seinem Kinofilm für die Koexistenz von Türken und Deutschen in Deutschland. Doch im Gegensatz zum dokumentarisch gehaltenen Vorspann mit Straßenumfragen ("Ich hab nichts gegen Ausländer..."), Politiker-Statements (Wulffs "Der Islam gehört zu Deutschland") und Auszügen aus Crash-Sprachkursen handelt es sich bei "300 Worte Deutsch" keineswegs um eine tiefschürfende Analyse zum Thema Migration, sondern um eine klassische Culture-Clash-Comedy, die für einen guten Gag kein Klischee auslässt. Dreh- und Angelpunkt des Films ist die von "Türkisch für Anfänger"-Star Pegah Ferydoni mit viel Power gespielte Lale. Als in Deutschland längst fest integrierte Türkin fällt ihr die Aufgabe zu, jungen Landsfrauen, die hier verheiratet werden sollen, in kürzester Zeit Sprachgrundkenntnisse einzubläuen, weil sonst Abschiebung droht. Zudem verliebt sich Lale in einen ambitionierten deutschen Beamten von der Einwanderungsbehörde (Christoph Letkowski aus "Feuchtgebiete"), womit Aladag neben dem komödiantischen Aspekt also auch eine interkulturelle Love Story installiert. "300 Worte Deutsch", gedreht im als besonders liberal bekannten Köln, hat von allen Charakteren etwas zu bieten: Den schweizerdeutsch sprechenden Türken-Macho, der im Bett keinen hochkriegt, die korpulente Braut, die sehr wohl versteht, als ihre Schwiegereltern sich auf Deutsch fragen: "Was machen wir nur mit der fetten Tonne", oder die blonde Nutte Daisy, die Perücke trägt und in Wirklichkeit Ayse heißt. Über allem thronen Christoph Maria Herbst, der als ausländerfeindlicher Bürokrat seine Rolle aus "Stromberg" übernimmt, und sein türkisches Pendant Vedat Erincin, der nach "Almanya - Willkommen in Deutschland" erneut den Familienpatriarchen gibt. Die besten Oneliner bleiben Herbst ("Die dönern uns die Bude voll") vorbehalten, die schrägste Rolle hat wohl Nadja Uhl als verständnisvolle Vorzimmerdame mit Hang für Muslime, und wenn am Ende jeder Topf sein Deckelchen findet und man zu rhythmischen Klängen tanzend "Ich bin ein Ausländer" flötet, dann hat der Film zwar wenig Tiefgreifendes für Völkerverständigung getan, aber sicherlich auch nichts dagegen. Fundierte Problemlösung und oberflächliches Gute-Laune-Entertainment gehen nicht zusammen. lasso.
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