Terrence Malick geht mit berauschenden Bilderkaskaden in Hollywood auf die Suche nach Antwort auf Sinnfragen.
Konventionelle Erzählung war noch nie die Sache des mittlerweile 71-jährigen Texaners Terrence Malick. Schon sein zweiter Film, "In der Glut des Südens" aus dem Jahr 1978, gleicht eher einem Gedicht als einem klassischen Drama. Doch spätestens seit seinem Meisterwerk "Tree of Life" hat sich der große Poet unter den amerikanischen Filmemachern endgültig vom narrativen Kino verabschiedet. Seine Filme sind jetzt reine Bewusstseinsströme, zutiefst persönliche Bilderkaskaden über Wanderer, Ritter auf der Suche nach dem Verlorenen, essayistische Betrachtungen, auf die man sich einlässt oder eben nicht. Er komponiert Musik mit Bildern. Eine Handlung im eigentlichen Sinne gibt es nicht mehr. Das traf auf "To the Wonder" zu, bei "Knight of Cups" ist es nicht anders.
Da ist ein Drehbuchautor in Hollywood. Sein Bruder hat Selbstmord begangen. Seine Frau hat sich scheiden lassen. Eine Geliebte bietet ihm Rückhalt, bis sie das gemeinsame Baby abtreiben lässt. Alldieweil taumelt die von Christian Bale mit starker Präsenz gespielte Hauptfigur durch das moderne Los Angeles, das eine Flut von Bildern wie einen Vorhof zur Hölle zeigen, ein Affenzirkus, eine Freakshow, deren Oberflächlichkeit die Seele zerstört. Da steckt viel Fellini drin, "Das süße Leben", "8 1/2", ein bisschen Antonioni, ein bisschen "Das Schweigen". Aber vor allem ist es Malick pur, der seine Stargarde - neben Bale u. a. auch Cate Blanchett und Natalie Portman - entseelt durch Schnittkaskaden irrlichtern lässt, die einen rätseln lassen, aber auch wieder süchtig machen. Ein bisschen zumindest, zumal Bale den Film stärker verankert als es Ben Affleck bei "To the Wonder" vergönnt war. Die Lust, sich dem Bilderrausch, auszuliefern, muss man als Zuschauer allerdings mitbringen. ts.