Ironisch-böser Blick hinter die Kulissen von Kunstwelt und Kunstgeschäft mit Daniel Brühl und Jesper Christensen.
Daniel Kehlmanns Romane verkaufen sich nicht nur wie geschnitten Brot, sie werden auch gerne verfilmt. Nach Detlev Bucks "Die Vermessung der Welt" und Isabel Kleefelds "Ruhm" ist Wolfgang Beckers "Ich und Kaminski" die dritte Kehlmann-Adaption, die ihren Weg auf die Leinwand findet. Und hoffentlich auch zum Zuschauer, der sich beim Roadmovie durch halb Europa amüsieren sollte. Die Geschichte vom Kunstjournalisten Sebastian Zöllner, der glaubt, mit einem Enthüllungsbuch über den einst berühmten, inzwischen fast vergessenen Maler Manuel Kaminski, einen Hit zu landen, der ihn von allen finanziellen Sorgen befreit, ist tricky und mit überraschenden Wendungen gespickt. Der ehrgeizige Schreiberling macht keine gute Figur in seiner Selbstüberschätzung und Arroganz, dass man ihm von Anfang an einen Reinfall gönnt. Daniel Brühl mit Langhaar und Kurzbart spielt diesen Möchtegern-Autor, der im gewieften Menschenkenner, der als "blinder Maler" Meriten sammelte, seinen Meister findet. Erst einmal kommt er nicht an den greisen Künstler heran, der abgeschirmt von Tochter und Freunden in einem einsamen Chalet residiert. Mit ein wenig Kleingeld für die Haushälterin, die hier nicht die gute Seele des Hauses ist, dringt der Schleimer zum Objekt des Interesses durch und nimmt den Betagten mit auf eine Reise zu dessen großer Liebe und tot geglaubter Muse. Bis zum Aufbruch geht es nicht gerade feinsinnig zu, Brühl wird unter Wert verkauft, wenn er beim Kraxeln hinfällt, in die finstere Nacht pinkelt, sich beim Dinner ungehobelt benimmt oder mit Pathos konfuse Ideen deklariert. Das ändert sich, wenn die beiden etwas planlos losziehen. Wie der Alte und der Junge am Ende mit Lebenslügen konfrontiert werden, Bilanz ziehen und sich trotz Distanz annähern, das ist liebevoll, ironisch und humorvoll inszeniert. Wie in der manchmal zwischen komischen und dramatischen Elementen wechselnden Satire die schillernde Kunstwelt und das krude Kunstgeschäft durch den Kakao gezogen werden, entpuppt sich als intelligentes Kino mit kleinen Widerhaken. Und ob der blinde Maler wirklich blind ist, spielt keine Rolle, ein paar Logik-Kröten in der Plotkonstruktion schluckt man gerne. Brühl und Jesper Christensen sind trotz Altersunterschied zwei Seiten derselben Medaille. Für Kehlmann-Leser ein Muss. mk.