Hinreißende surreale Komödie über zwei in die Jahre gekommene Freunde, die in einem Hotelressort in den Bergen ihr Leben Revue passieren lassen.
Rückblickend scheint es fast unglaublich, dass "La grande bellezza - Die große Schönheit" vor zwei Jahren in Cannes ohne Palme nach Hause geschickt wurde. Aber es war auch ein ungewöhnlich starker Jahrgang mit denkwürdigen Filmen wie "Blau ist eine warme Farbe" oder "Inside Llewyn Davis", und Paolo Sorrentinos Verbeugung vor "Das süße Leben" wurde später ja auch mit dem Europäischen Filmpreis und dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film üppig belohnt. Nun kann sich "Youth" Chancen auf einen Preis in Cannes ausrechnen, denn der italienische Filmemacher ist sich bei seiner sechsten Regiearbeit (und der zweiten in englischer Sprache nach "Cheyenne - This Must Be the Place", der 2011 in Cannes vertreten war) unbedingt treu geblieben. Obwohl der Schauplatz von Rom in ein prächtiges Bergressort in der Schweiz verlegt wurde, ist der Geist Fellinis geradezu omnipräsent, wenn zwei in die Jahre gekommene Freunde, einer ein ehemaliger Komponist, der andere ein um sein letztes Meisterwerk ringender Regisseur, auf dem letzten Stück Lebensweg über die Dinge räsonieren, die ihre Existenz ausgemacht haben. Um Kunst geht es, um Schönheit, Alter und Träume, um das, was war, was ist und was bleibt, ganz humorvoll und entspannt, oftmals zutreffend, manchmal auch banal.
Michael Caine, der hier Sorrentinos Lieblingsschauspieler Toni Servillo perfekt vertritt, und Harvey Keitel genießen jede Sekunde ihrer Auftritte, die Sorrentino stets in kleine visuelle Kabinettstückchen einpasst. Um die beiden gebrechlichen Männer, von denen der eine wieder inspiriert und der andere spektakulär scheitern wird, veranstalten die anderen Hotelgäste einen hübschen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Ein junger Hollywoodschauspieler darbt daran, dass sich die Menschen nur daran erinnern, dass er einmal einen Roboter gespielt hat. Die Tochter des Komponisten fällt in ein tiefes emotionales Loch, als sie vom Sohn des Regisseurs wegen einer Popsängerin verlassen wird, und entdeckt die Wonnen des Bergsteigens. Diego Maradonna zeigt Kunststücke mit einem Tennisball. Ein Junge übt verzweifelt das Geigespiel. Zwischendrin taucht ein Botschafter der Königin auf, der den Komponisten überreden will, sein bekanntestes Stück noch ein letztes Mal zu dirigieren. Und ziemlich gegen Ende hat Jane Fonda einen ätzenden Auftritt, für den Norma Desmond morden würde. Wie "La grande bellezza" ist auch dieser Film über verpasste Chancen und Selbstbetrug wie eine Sinfonie gestaltet. Der Liebesbrief an die Stadt Rom ist seinem immer einfallsreichen, visuell und inhaltlich stets zufriedenstellenden Nachfolger einzig voraus, dass sich das Crescendo der Ideen und Motive zu einem wirksameren Finale steigert: Anders als der buddhistische Mönch im Hotel hebt "Youth" am Schluss nicht meterhoch ab, sondern nur ein kleines bisschen. ts.
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