In Blockbuster-Manier erzählt Roland Emmerich vom Beginn der Schwulenbewegung in der Christopher Street.
"Welcome to New York. Aber du bist sicherlich nicht wegen der Pizza in die Christopher Street gekommen". Landei Danny ist erst einmal verwirrt über die Anmache der hispanischen Drag Queen Ray und versteht die queere Welt nicht mehr. Er kommt aus Indiana, wo ihn seine Eltern wegen seiner Homosexualität verstoßen haben und plötzlich trifft er Menschen, die genau diese verbotene Sexualität offensiv ausleben. Ein Schock, aber auch ein Schritt zur Selbstfindung. Stricher, transsexuelle Latinas und Schwarze treffen sich in der berüchtigten Bar Stonewall, Geldwaschanlage für die Mafia. Auch ein legendärer Ort, wo im Juni 1969 der Aufstand gegen Diskriminierung begann. Was damals wirklich geschah, wissen wohl die wenigsten, die heute den Christopher Street Day feiern, Festtag, Gedenktag und Demonstrationstag für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern, inzwischen mehr eine kommerzialisierte bunte Party.
Roland Emmerich legt hier nicht das Weiße Haus in Schutt und Asche, sondern erzählt die Geschichte von jungen Menschen, die nichts zu verlieren hatten, wie die fiktive Hauptfigur, die mittellos in Greenwich Village landet und in den schrillen Außenseitern der bürgerlichen Gesellschaft eine Familie findet. Jeremy Irvine erinnert ein wenig an den junge James Dean. Um diese fiktive Figur versammelt der Hollywoodregisseur authentische Figuren wie den Pionier der Schwulenbewegung Bob Kohler, deren Bedeutung aber erst im Nachspann enthüllt wird. Es genügte ein Funke, um die tagelangen Straßenschlachten zu entfachen, hier leider nur auf eine Krawallnacht reduziert. Die romantisch angehauchte Coming-of-Age-Story des netten Jungen aus der Provinz funktioniert, drängt durch seine Dominanz aber das eigentliche Thema, den Kampf gegen Homophobie, Polizeiwillkür und gesellschaftliche Ausgrenzung zeitweise in den Hintergrund.
Auch wenn "Stonewall" nicht der ganz große Wurf ist und nicht die Emotionalität und politische Relevanz von Gus van Sants "Milk" erreicht, ist dank Emmerich, der selbst Geld in sein Herzensprojekt steckte, dieses immer noch wichtige Thema im Mainstreamkino angekommen. Und das ist in Zeiten, in denen auf dem Schulhof "schwul" als Schimpfwort existiert, schon ein Erfolg. mk.