Nach zwei Aufenthalten im Best Exotic Marigold Hotel wird Maggie Smith obdachlos und zur Systemstörung im Leben eines berühmten britischen Autors.
Was erst eine Erzählung und dann ein Theaterstück war, ist jetzt ein Film. Ein durch und durch britischer, angesiedelt im gepflegten Londoner Künstlermilieu, getragen von großartigen Darstellern und einem Ton, der vorwiegend komisch gelegentlich das Tragische streift, Sentimentalität aber nie zulässt. Der Held der schrulligen "zumeist wahren" Geschichte ist der Autor selbst, der mehr als 15 Jahre von einer alten Dame ausgenutzt und drangsaliert, aber auch kreativ inspiriert wurde.
Als Alan Bennett (Alex Jennings), aufstrebender britischer Bühnenautor, Ende der 1960er Jahre in den Gloucester Crescent zieht, gehört Miss Shepherd (Maggie Smith) schon zum ungeliebten Inventar des Straßenzugs im Londoner Stadtteil Camden Town. Die in einem abgewrackten Lieferwagen lebende alte Dame arbeitet sich die Straße hinunter, bis sie eines Tages direkt vor Bennetts Haus landet. Als die Polizei ihr Dauerparken untersagt, erbarmt sich der Künstler der chronisch kratzbürstigen Frau und lässt sie samt Auto auf sein Grundstück. Aus dem kurzfristigen Mitleidsarrangement wird eine Dauerbelagerung, die erst mit dem Tod von Miss Shepherd endet.
"The Lady in the Van" ist gleichzeitig Skizze einer gebildeten, musikalisch hochbegabten Exzentrikerin, die mit dem Katholizismus und ihrer Vergangenheit ringt, wie auch Einblick in das kreative Dasein eines Autors, der zwei Identitäten, Schöpfen und Leben, zu harmonisieren versucht und schließlich nicht verhindern kann, dass eine Obdachlose auch in seine Arbeit einzieht. Der Film ist aufrichtig, setzt Hilfsbereitschaft stets Eigennutz an die Seite und denkt nicht daran, die im Takt von Tee-und-Gebäck-Ereigniskino beobachtete Beziehung mit Versöhnlichkeit zu verzuckern. Der Verlust von Selbstbestimmung und Würde im Alter wird genauso thematisiert wie die Grenzen von Humanität und Liberalismus, wenn das Leben seine unappetitliche Seite zeigt. Bennetts kultivierter Witz ist eine große Stärke dieser dritten Zusammenarbeit mit Regisseur Nicholas Hytner, doch der Motor ist die mitreißende One-Woman-Show von Maggie Smith als komische wie auch traurige nörgelnde Giftspritze, die am Ende tatsächlich zum Engel wird - wenn auch nur durch Auffahrt zum Himmel. kob.