Aufsteigerstory, Abenteuer und Satire mixt der für sein Drehbuch zu "Traffic" Oscar-prämierte Stephen Gaghan bei seiner auf Tatsachen basierenden Regiearbeit.
Willkommen im Dschungel - zunächst im Dschungel in Südostasien, danach im Großstadtdschungel der Hochfinanz: Die zweite Regiearbeit des versierten Drehbuchautoren Stephen Gaghan, der 2005 mit "Syriana" bereits eine starke Visitenkarte abgegeben hatte, ist ein wilder Ritt, ein rasender Drahtseilakt, der die Lautstärke so konsequent auf "11" überdreht, als wären alle Beteiligten beim Dreh der Geschichte eines Glücksritters, der es nach einem spektakulären Goldfund in Indonesien mit dem Haifischbecken Wall Street aufzunehmen versucht, bis unter die Hutkrempe voll mit Koks gewesen. Unverkennbar sind die Parallelen zu "The Wolf of Wall Street", speziell zu der einen, längst legendären Szene, in der Matthew McConaughey den Grünschnabel Leonardo DiCaprio in die Welt der Hochfinanz einführt. Dabei geht es Gaghan weniger um den puren Rausch des Exzesses. Sein Blick ist der des Satirikers, und sein Film ist die Gonzo-Version eines modernen Abenteuerfilms, ein trunken von seiner eigenen Story Schlange fahrender "Fear and Loathing in Las Vegas" aus der Welt der Goldgräber.
Mit seinem Bierbauch, krummen Zähnen, schütterem, sorgfältig über die Glatze gekämmten Haupthaar und albernen Hütchen steht Matthew McConaugheys Kenny Wells in einer Ahnenreihe mit Johnny Depps Hunter S. Thompson, ein Träumer in einer aus den Fugen geratenen Welt, in der ständig jeder jeden übers Ohr zu hauen versucht. Aber so grotesk McConaughey auch aussehen und zunächst auch spielen mag, man schließt dieses Schlitzohr mit zweifelhafter Moral doch ins Herz, er verleiht der auf dem vor allem in Kanada bekannten Bre-X-Skandal basierenden Zockerballade menschliches Gewicht. Und das ist wichtig bei einem Film, der wie ein kontemporärer "Der Schatz der Sierra Madre" beginnt, um sich schließlich zu einem nicht immer leicht durchschaubaren "American Hustle" zu entwickeln, zum raffinierten Coup, auf den auch Paul Newman und Robert Redford stolz wären.
Denn die großartige Goldmine, auf die Wells mit seinem Partner, dem Geologen Michael Acosta, gespielt von Edgar Ramirez als genaues Gegenteil von Wells, als über jeden Zweifel erhabener Strahlemann, im indonesischen Dickicht stößt und um die sich alsbald Banker und Investoren aller Art balgen, entpuppt sich als eine Chimäre, ein einziger großer Trick, was letztendlich gar keine Rolle mehr spielt in diesem Spiel um Gier und Geld, das sich irgendwann verselbständigt. Der coole Soundtrack spielt auf "Ocean's Eleven" an, aber "Gold" ist nicht die Story eines lässigen, perfekt geplanten Raubzugs, sondern ein hinreißend um sich schlagender Ritt auf einem nicht zu zähmenden Bullen. Er macht Spaß, er überrascht, man sieht gerne zu. Und man fragt sich, warum an den US-Kinokassen der Funke nicht übergesprungen ist: Vielleicht hält er Amerika den Spiegel etwas zu genau vor: Wie leicht wir doch bereit sind, auf die reinzufallen, die uns großspurig versprechen, unser Leben besser zu machen, so schmierig und durchschaubar sie auch sein mögen. ts.